Architektur zwischen Kunst und Bürokratie - 125 Jahre Ringstraße

3. Helmut Karigl, Der Justizpalast

von Entwürfen für den Justizpalast hervor. Wielemans hat die Ausführung selbst geleitet, er besorgte auch die innere Einrichtung. Justizminister Dr. Alois Prazak bekundete dem Architekten die „gediegendste Fachbildung, die größte Umsicht und strengste Ehrenhaftigkeit.“ Wielemans wurde dafür mit dem Titel Baurat ausgezeichnet. Neben Wielemans sind auch noch andere Architekten und Beamte zu erwäh­nen. Von Moriz v. Löhr war bereits die Rede. Er starb am 28. Oktober 1874, also knapp vor Beginn der Bauarbeiten. Von „seinem“ Hochbaudepartment gab es ebenfalls einen Entwurf zum Bau des Justizpalastes (Kat. Nr. 3/1). Wichtig auch der Hofarchitekt August Schwendenwein Ritter von Lanauberg (Kat. Nr. 7/6). Er wurde 1875 Vorsitzender des zur Oberleitung berufenen Justizpalast­baukomitees. Schwendenwein war auch Mitglied der vorangegangenen Wett­bewerbsjury. Weiters wären noch zu nennen: Albert Feiner von der Arl, als zuständiger Beamter des Justizministeriums, dem „Eifer“, „Rührigkeit“, „praktischer Blick“ attestiert wurden. Alexander Wielemans würdigt in einem Schreiben an das Justizministerium die Architekten Dominik Avanzo und Paul Lange, die als Bauführer tätig waren, ebenso den Architekten Edmund Steinitzer (Kat. Nr. 3/2). Der Justizpalast wurde im Stile der deutschen Renaissance mit Anlehnung an den italienischen Palastbau erbaut. Die Hauptfront ist der Ringstraße zugewandt. Sie wird von einem kräftig vorspringenden Risalit mit hohem Giebel dominiert. Untergeschoß, Parterre und Mezzanin sind mit Quadern aus Margarethner Stein verkleidet, die oberen Geschosse in Putzbau (Kat. Nr. 3/3). Im Verlaufe einer Demonstration wurde am 15. Juli 1927 der Justizpalast in Brand gesteckt. 1928-1931 wurde er durch Heinrich Ried, der aus einem Wettbewerb als Sieger hervorging, in veränderter Form wiederhergestellt. Dem Palast wurde ein dritter Stock aufgesetzt, hiebei wurde auch die Dachsilhouette und der mächtige Mittelrisalit (Säulenstellung) verändert (Kat. Nr. 3/4). QUELLEN AVA, Stadterweiterungsfonds, Signatur 28, Justizpalast (verschiedene Akten aus den Jahren 1870-1875). AVA, k. k. Justizministerium, Präsidium ZI. 186 ex 1881. AVA, Plansammlung, A-II-c/159. 29

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