Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 17. (Budapest, 1998)
Ágnes PRÉKOPA: Die Ornamentalisicrung von Motiven in der angewandten Kunst. Automatische Amorettenfiguren an Wiener Kommodenuhren
Monumentaluhren bekannt, die zu den frühesten Zeugnissen der Geschichte der Uhrmacherci gehören. Mit dem 15. Jahrhundert verbreiten sich an den Turmuhren vom Schlagwerk bewegte Figuren, die am besten unter dem Namen Jacquemart bekannt sind und zumeist paarweise eine oder mehrere Glocken ertönen ließen. 6 Die komplizierteren monumentalen astronomischen Uhren (deren bekannteste und älteste die des Straßburger Münsters ist) boten neben zahlreichen, jedoch nur für wenige verständlichen astronomischen Anzeigen auch durch die Mechanik ermöglichte Sehenswürdigkeiten, die die Massen faszinierten: den "Aufmarsch" bewegter Figuren. Die Jacquemarts oder die Gruppen verschiedener Figuren wurden - neben dem Glockenspiel - zu traditionellen Requisiten der Turmuhren, ohne daß die Veränderungen des Zeitgeschmacks die besondere Kombination von Zeitmesser, Spielautomatik und bewegten Figuren wesentlich beeinflußt hätte. Die automatischen Figuren kommen dem heutigen Betrachter, selbst wenn es die an den mit ganz besonderen mechanischen Konstruktionen ausgestatteten Tischuhren des Manierismus sind, nicht nur deshalb märchenhaft vor, weil die Puppen heute eindeutig und ausschließlich zur Welt der Kinder gehören, sondern auch deshalb, weil die sich ständig wiederholenden "mechanischen", ja "automatenhaften" Bewegungen der Figuren durch ihre Stilisiertheit naturfremd sind. Während die Uhren, die auch mit automatischen Figuren ausgestattet waren, beziehungsweise die selbständigen automatischen Figuren zu den bestbehüteten Raritäten der Kunstkammern gehörten, kam es mit der allgemeinen Verbreitung der Uhrenherstellung zur zweiten großen Blütezeit der selbständigen automatischen Figuren. Die Zeit der von einer versteckten Mechanik angetriebenen automatischen Figuren, die sich bewegen, musizieren, schreiben und die verschiedensten anderen Tätigkeiten ausüben, begann im 18. Jahrhundert, als die großen Zentren der Uhrmacherei (vor allem in England und uiiin der Schweiz) allen erdenklichen geschmacklichen, d.h. stilistischen Ansprüchen genügen konnten. Die abwechslungsreichsten Formen weisen wohl die Taschenuhren auf, bei denen man sich nicht nur vom Zeitstil, sondern auch vom europäischen Geschmack löste, was auch die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts für den Export in die Türkei und nach China gefertigten Typen bezeugen. Die an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert modernen emaillierten goldenen Phantasieformuhren gehören schon in die Kategorie der Schmuckstücke; auf der einfachen Spindelhemmung dieser Uhren ist zumeist kein Hinweis auf den Verfertiger zu finden. Zur selben Zeit entstanden die Taschenuhren, deren Uhrschlag auch kleine automatische Figuren bewegte - die somit, ebenso wie die frühen Uhrwerke, Zeugnisse bravouröser handwerklicher Leistungen war und zugleich das Marktangebot erweiterten. Die Formen der zu verschiedenen Gattungen gehörenden Kleinuhren und Großuhren waren schon aufgrund der Größe der Uhrwerke unterschiedlich. Auch deshalb gilt die Vorliebe der Großuhrmacher fur den mit automatischen Figuren bereicherten Uhrschlag als atypisch, wobei die Wiener allerdings - im Gegensatz zu anderen europäischen Uhrmachern - am häufigsten eine bestimmte, wohl "bewährte" Komposition verwendeten: die Figuren Schmied und Schleifer. Die Figur Amors ist ein ikonographischer Topos, der zu den wohl am häufigsten dargestellten Figuren - und den am häufigsten verwendeten Ornamenten - in der Geschichte der europäischen Kunst gehört, zum Teil möglicherweise deshalb,