Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 17. (Budapest, 1998)

Ágnes PRÉKOPA: Die Ornamentalisicrung von Motiven in der angewandten Kunst. Automatische Amorettenfiguren an Wiener Kommodenuhren

ÁGNES PRÉKOPA DIE ORNAMENTALIS IERUNG VON MOTIVEN IN DER ANGEWANDTEN KUNST AUTOMATISCHE AMORETTENFIGUREN AN WIENER KOMMODENUHREN Zum Mechanismus der Wiener Stutzuhren (Kommodenuhren) mit Wiener 4/4­Stundenschlag gehören häufig auch vor dem Zifferblatt plaziertc automatische Figuren, die beim Schlag, bei der Repe­tierung, "zum Leben erwachen", also außer mit dem Uhrschlag auch durch Bewegung die Aufmerksamkeit auf die Uhr lenken. Diese Figuren könnten wir am treffendsten als bewegte Verzierungen zu bezeichnen. Sie kommen an den Wiener Uhren zumeist in der folgenden Komposition vor: links eine Amorette, die einen Pfeil schmiedet, und rechts die andere, die die Pfeilspitze schleift. Unter ihnen, auf nahezu einem Drittel des Zifferblattes, ist - durch eine Art horror vacui motiviert, jedoch ohne den Anspruch auf inhaltlichen Zusammenhang mit den Amorettenfigurcn, ja noch nicht einmal auf eine wenigstens entfernte Asso­ziation mit ihnen bedacht - in einem Feld, das von einem aus Rosen und anderen Blumen geflochtenen Kranz umrahmt ist, ein Delphin und hinter diesem Neptuns Dreizack zu sehen. Diese eigenartige Zusammenstellung repräsentiert in dieser Form einen Typus; die Amoretten­Verzierung ist jedoch trotz eventueller inhaltlicher Verweise eher eine zusätzliche Verzierung, das heißt ein Ornament, als eine Darstellung. Sowohl die Amorettenfi­guren als auch der Dreizack und der Del­phin als Attribute Neptuns lassen sich bis auf antike Vorläufer zurückführen, wobei der Delphin in der europäischen angewand­ten Kunst als Ornament par excellence ­im allgemeinen als Stützelement von Sockeln, eventuell an Friesen - verwendet wird. (Im Falle des Zifferblattes umrahmt die vom Schwanz des Delphins gezeichnete Spirale die Öffnung des mittleren Auf­zugvierkants.) Im Grunde ist die Rosengir­lande das einzige Motiv dieser mytholo­gisch inspirierten Komposition, die doch deutlich Auskunft über den Zeitstil gibt. Die Ornamente, die auf Neptun und die Wasserwelt verweisen, wurden ohne jegli­chen Anspruch auf die Nutzung der dem Motiv eigenen Symbolik des Motivs auf die Zifferblätter der Wiener Uhren appliziert. Auch die Amorelten tragen im Grunde keine wirkliche Bedeutung, doch kann man die antropomorphen Ornamente nicht so leicht außer Acht lassen, da sie direkter auf den Betrachter wirken als jegliche abstrakte Dekoration. Dies gilt in noch stärkerem Maße für die Figur des Amorknaben - und für die Amoretten -, die immer wieder­kehrende beliebte Motive der europäischen Kunst sind, sei es als mythologische Ver­weise oder als Ornamente. Das Wesentliche des Ornaments liegt darin, daß nicht hinterfragt wird, warum es an der betreffenden Stelle verwendet wurde. 1 Wenn aber die Ornamente im Grunde als formale Elemente vorkommen, stellt sich die Frage, wie man erkennen kann, ob sich unter ihnen auch ein Motiv mit sym-

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