Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 16. (Budapest, 1997)
SZILÁGYI András: Adalék Nádasdy Ferenc (1623-1671) műkincseinek utóéletéhez
Inschriften wird „greifbar", wenn wir die entsprechenden Stellen des als Danklied gekannten Psalmes 116 (115) hier anführen: 3: Mich umfingen die Fesseln des Todes, mich befielen die Ängste der Unterwelt, mich trafen Bedrängnis und Kummer. (Circumdederunt me dolores mortis, pericula inferni invenerunt me, tribulationem et dolorem inveni.) 4: Da rief ich den Namen des Herrn an: „Ach Herr, rette meine Seele!" (Et Nomen Domini invocavi. O Domine, libera animam meam!) 6: Der Herr behütet alle schlichten Herzen, ich war in Not, und er brachte mir Hilfe. (Custodiens parvulos Dominus: humiliatus eram et Dominus liberavit me.) 9: So gehe ich meinen Weg vor dem Herrn, im Land der Lebenden. (Placebo Domino ... in regioné vivorum) 14: Ich will dem Herrn meine Gelübde erfüllen, offen vor seinem ganzen Volk. (Vota mea Domino reddam coram omni populo eius.) 16: Ach Herr, ich bin doch dein Knecht, dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd. Du hast meine Fesseln gelöst. (O Domine, quia ego servus tuus, ego servus tuus et filius ancillae tuae. Disrupisti / dissolvisti/ vincula mea.) 17: Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen und anrufen den Namen des Herrn. (Tibi sacrificabo hostiam laudis, et nomen Domini invocabo.) Es sind dies die uralten, inspirierten Zeilen des Alten Testaments, die Worte des gottesfürchtigen Gläubigen, der sich als Knecht Gottes bezeichnet. In seiner Bedrängnis, seiner hoffnungslos ausgelieferten Lage fleht er seinen Schöpfer an, und seine Bitten werden erhört: der Herr hat seine Fesseln gelöst. Wie viele waren es wohl, die im Verlauf von langen Jahrhunderten das Gefühl hatten, der Psalmdichter spreche mit diesen Zeilen aus ihrem Herzen? Wie viele zitierten wohl diese Zeilen mit ganz persönlicher, tiefer Einfühlung? Wie viele sprachen ein Dankgebet nach ihrer Befreiung aus Kriegsnöten und Gefangenschaft und flehten den Heiland um Erbarmen und Vergebung der Sünden an und baten die Himmlischen um Fürbitte? Und wie viele repetierten bei der täglichen Andacht nach den Worten des Credo in Deum das Testament des gläubigen Christen: „Ultima mea verba erunt Iesus Maria Joseph, in illorum amplexu vivere et mori volo. Et si sancta haec nomina tum lingua non posset eloqui, eloquetur illa cor meum. Et si usu rationis in hora mortis destituar, jam protestor, jam enuntio pro tunc omni possibili ardore, reverentia et submissione JESUS, MARIA, JOSEPH"? (Meine letzten Worte werden Jesus, Maria, Joseph sein, in ihrer Umarmumg will ich leben und sterben. Sollte meine Zunge diese heiligen Namen nicht mehr aussprechen können, so soll sie mein Herz aussprechen. Und für den Fall, daß ich in der Sterbestunde nicht mehr im Besitz meiner Vernunft sein sollte, will ich jetzt bezeugen und jetzt für jene Stunde mit der heißesten Liebe, Verehrung und Demut verkünden: JESUS, MARIA, JOSEPH.) Dies bleibt freilich eine „poetische" Frage, die sich nicht beantworten lässt, wenn auch man sie zeitlich etwas einengt, und zwar auf die Epoche der Religionskriege, auf das von Kriegen verwüstete Polen des 16. Jahrhunderts. Es dürften Tausende, ja Zehntausende gewesen sein - ihre Zahl nur schätzungsweise anzugeben wäre unsinnig. Soviel steht aber fest, daß es einen unter ihnen gab, einer in der Reihe der namenlosen Bekenner dieser schicksalsschweren Zeiten, der ein Requisit seines Gelöbnisses, seiner innigen Religiosität der Nachwelt hinterließ. Jemand, der die Festhaltung seines Namens oder Monogramms nicht für wichtig hielt, wohl aber dafür sorgte, daß von seinem in den Stunden - Tagen? Jahren? - der Bedrängnis gemachten Gelübde und von dessen Erfüllung ein präzioses Kleinod Zeugnis ablege. Ein Votivgegenstand - Votum -, der ihn auf die überstandene Bedrängnis und die damals beschlossenen „geistlichen Verpflichtungen" erinnern und für ihn ein „handgreif-