Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 16. (Budapest, 1997)

SZILÁGYI András: Adalék Nádasdy Ferenc (1623-1671) műkincseinek utóéletéhez

ANDRÁS SZILÁGYI BEITRAG ZUM NACHLEBEN DER SCHATZE DES FERENC NÁDASDY (1623-1671) Die Fragen, inwieweit im historischen Quellenmaterial die Inventarverzeichnisse als schlagende Beweise zu betrachten sind und wie sich ihre objektiven Mitteilungen, wortkargen oder nachdrücklichen Festsei­lungen deuten und auswerten lassen, wurden vor gut sechzig Jahren von dem namhaften österreichischen Historiker Heinrich Klapsia in einem grundlegenden Aufsatz eingehend erörtert. 1 Seine Ausführungen werden be­sonders an dem Punkt bemerkenswert und überzeugend, wo er Abschnitte von Inventa­ren aufeinander bezieht, die aus verschiede­nen Anlässen und zu unterschiedlichen Zeit­punkten angelegt worden sind. Und zwar solche Beschreibungen, die - wiewohl im Umfang und im Wortgebrauch offensichtlich unterschiedlich - höchstwahrscheinlich vom selben Kunstwerk berichten. Diese Methode fand in den letzten Jahrzehnten europaweit zahlreiche Nachfolger. Derartige Untersu­chungen sind auch dann aufschlußreich, wenn die „zusammenklingenden" Mitteilungen aus Inventaren derselben Sammlung stammen, die an verschiedenen Orten und zu unter­schiedlicher Zeit datiert wurden, also zeitlich aufeinanderfolgen. 2 Die bedeutendsten Ergeb­nisse verspricht diese Methode in solchen Fällen, in denen die Objektbeschreibungen in Inventaren verschiedener Kollektionen zum Vorschein kommen. Besonders, wenn son­stige Quellen fehlen oder über das „Verhält­nis" der betreffenden Sammlungen - über ihre „Verschmelzung", die etwaigen Maß­nahmen oder rechtlichen Transaktionen ihrer Eigentümer - ausschweigen. Die ungarische Forschung zur Geschichte des Kunstsammelns der Barockzeit kann sich in dieser Hinsicht kaum sensationeller philo­logischer Ergebnisse rühmen: Man muß al­lerdings zugeben, daß auch nicht viele da­nach strebten. Mit der hervorragendsten Schatz­kammer des 17. Jahrhunderts, mit der auch nach europäischem Maßstab einzigartig rei­chen Sammlung des Grafen Ferenc Nádasdy - er wurde nach seiner Teilnahme an einer Magnatenverschwörung wegen Hochverrats 1671 enthauptet, und seine Güter wurden konfisziert - beziehungsweise mit dem wei­teren Schicksal seiner Schätze nach 1671 ha­ben sich seit Beginn unseres Jahrhunderts nur sieben Autoren befaßt, mehrheitlich nur beiläufig. 3 Alle sind einig in der Beurteilung der Bedeutung und des künstlerischen Ran­ges der Schatzkammer und bringen direkt oder indirekt auch die Forderung zum Aus­druck, daß für die weitere philologische For­schung die gründliche Bearbeitung und Ver­öffentlichung der umfangreichen Inventare der Sammlung unerläßlich sind. 4 Nur zwei Forscher unternahmen jedoch den Versuch, einzelne Abschnitte von früher veröffentlich­ten oder auszugsweise bekannt gewordenen Verzeichnissen mit irgendeinem Posten in späteren Inventaren anderer Kunstsammlun­gen in Zusammenhang zu bringen. Dieser Versuch brachte bis jetzt ein einziges konk­retes Ergebnis. Ein Stück der märchenhaften Nadasdy-Schätze konnte ohne Zweifel mit dem Tafelaufsatz identifiziert werden, der als „Triumph des Bacchus" bekannt wurde und später in den Verzeichnissen der Schatzkam-

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