Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 8. (Budapest, 1984)
SZILÁGYI, András: Fortleben einer mittelalterlichen Komposition im 16—17. Jahrhundert
11. RELIQUIENTAFEL, KUPFER GETRIEBEN, PRAG (?), 1602. SCHATZKAMMER DES ST. VEIT-DOMES, PRAG Kunst Ungarns auch zu beobachten. Ein bedeutender Förderer der Reformation und grosser Gönner der Lutheranischen Gemeinden dieses Landes, Szaniszló (Stanislaus) Thurzó von Bethlenfalva (1576—1625) liess nämlich in 1597 für den Primas János Kutassy — Kirchenfürst der Katholiken in Ungarn — ein gesticktes Passionswappen verfertigen; der Holzschnitt von Balthasar Jenichen diente als Kompositionsvorlage zu der gestickten Darstellung dieses in der Schatzkammer zu Esztergom (Gran) aufbewahrten Stückes (Abb. 10). 23 Kaum fünf Jahre später, in 1602 entstand im Auftrag von Georg Bartholomäus Pontanus von Breitenberg eine getriebene Reliquientafel, worauf die Darstellung eines aus zwölf, meistens quadratischen Feldern ähnlicherweise aufgebauten Passionswappens erscheint; dieses Werk befindet sich in der Schatzkammer des Sankt Veit Domes zu Prag (Abb. II). 24 Trotz der Abweichung gewisser Details weisen die zentralen Darstellungen des Holzschnittes und der Prager Reliquientafel ein im Grunde gesehen ähnliches Kompositionsschema auf. Es steht ausser Zweifel, dass die beiden Werke jenes Gedankengut widerspiegeln, das für die Lutherische religiöse Auffassung typisch ist. Im Falle des Stiches kommt das durch den völligen Mangel an figürlichen Darstellungen, bzw. durch Verwendung ausschliesslich symbolischer Bildzeichen zum Ausdruck. 25 Auf dem späteren Werk kommen dagegen einige Passionsszenen — Judas mit dem Geldbeutel, Pilat wäscht sich die Hände — auch vor, indessen sind hier unter dem Passionswappen zu beiden Seiten in liegender Stellung rechts ein Skelett, links ein Teufel zu sehen. Diese Motive, die zusammen als Gegenpol des oben sichtbaren triumphierenden Gotteslammes dienen, weisen eindeutig auf jenen Gedanke des „Sieges Christi über Tod und Teufel", der in den theologischen Schriften Luthers und seiner Nachfolger ausdrücklich betont wurde. 26 Höchstwahrscheinlich stand dem Meister der Prager Reliquientafel, ebenso, wie jenem des Passionswappens in Esztergom, je ein aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammendes graphisches Vorbild zur Verfügung. So ist es festzustellen, dass die Kompositionen dieser druckgraphischen Blätter in verschiedenen Kunstprovinzen Mitteleuropas bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts unverändert weiterleben. Seit der