Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 8. (Budapest, 1984)

SZILÁGYI, András: Fortleben einer mittelalterlichen Komposition im 16—17. Jahrhundert

fang des 16. Jahrhunderts weitgehend übereinstimmt (Abb. 4). 15 Diese beide Varianten des Themas un­terscheiden sich bloss durch eine geringe Abweichung. Auf der linken Teil des Re­liefs ist die Ganzfigur des an der Säule gebundenen Christus zu sehen, wodurch eine Station der Passion, d. h. die Geisse­lung besonders akzentuiert wurde. Im Falle des Stiches deuten dagegen bloss die Bild­zeichen der Peitsche, des Rutenbündels und der Säule auf dieses Ereignis der Lei­densgeschichte hin. Die auffallende Ähn­lichkeit der beiden Werke, die auch in ver­schiedenen kleinen Details sich beobachten lässt, weist darauf hin, dass dem Bild­schnitzer und dem Kupferstecher die selbe graphische Vorlage zur Verfügung stand. Es sei bemerkt, dass der erwähnte Unter­schied zwischen den beiden Werken kei­nesfalls für eine vorausgesetzte inventiöse Erfindung seitens des am Anfang des 17. Jahrhunderts tätigen Meisters spricht. Einer solchen Vermutung gegenüber kön­nen wir annehmen, dass in den Jahren um 1500 mehrere Varianten des als Vorbild gedienten Stiches entstanden; statt die selben Exemplare nachzuahmen verwende­ten die beiden Künstler je ein bestimmtes Etat dieses druckgraphischen Werkes. An Stelle die ursprüngliche Komposition neuerlich umzuformen, griff nämlich der um 1620 in München tätige Kupferstecher auf eine Darstellungsweise zurück, die auf den früheren Analogien, vor allem auf dem Schrottblatt aus 1548, auch zu bemerken ist. In den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts — nach einer weniger er­folgreichen Periode — beginnt die Tätig­keit der Jesuiten in Mitteleuropa neuerlich aufzuschwingen. Die Gründung der neuen Jesuiten-Kollegien in mehreren Städten Ungarns und Polens fällt auf diese Zeit, 16 ein grosser Teil der verschiedenen religiö­sen Bruderschaften, vor allem die Maria­nischen Kongregationen, entstanden hier, meistens auf Anregung der Jesuiten, auch in diesen Jahren. Auf süddeutschem Bo­den, undzwar in Bayern schauten dagegen die religiösen Vereinigungen dieser Art auf eine längere Tradition zurück. 17 Es hängt wahrscheinlich mit diesem Umstand zu­sammen, dass die in den mitteleuropäischen Städten tätigen Patres, die in den Mariani­schen Kongregationen wirkten, wohl be­günstigt durch die bekannte strenge Or­ganisiertheit des Ordens, in enger Bezie­hung mit dem Münchener Jesuiten-Kolle­gium standen. Ein in unserem Museum aufbewahrtes Kunstwerk liefert ein be­redtes Dokument zu dieser Verbindung. Laut seiner Aufschrift wurde der aus Kupfer verfertigte, vergoldete Einband­deckel für die Marianische Kongregation der Krakauer Edelleute im Jahre 1632 her­gestellt; seine getriebene Verzierung wie­derholt die Komposition des um 1620 da­tierten Münchener Kupferstiches (Abb. 8). 18 Zwar wird unsere Vermutung durch den relativ kleinen Ausmass dieses Werkes — 26X21 cm — kaum unterstützt, scheint die Annahme doch nahezuliegen, dass der Banddeckel zur Verzierung des Stamm­buches der Krakauer Marianischen Kon­gregation diente. Gewisse Details der Treibarbeit weisen darauf, dass unser Stück dem selben, von Antwerpen nach Krakau übersiedelten Meister attribuiert werden kann, von dem ein 1609 datiertes vergoldetes Kupferrelief mit Darstellung des Hl. Eligius in der Sammlung des Städtischen Historischen Museums zu Krakau bekannt ist. 19 Da auf Grund seiner Jahreszahl eine genaue Datierung auf 1632 ausser Zweifel steht, vermag dieses Werk als das letzte vorhandene Beispiel einer traditionellen, durch lange Zeit weiterlebenden Kompo­sition betrachtet werden. Wohl ist es nicht

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