Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 4. (Budapest, 1976)

SZILÁGYI, András: Ein Silberbecher mit Gravierungen nach Georg Pencz und H. S. Beham

Wahlsprüche tauchen aber auch auf dem Titelblatt mehrerer bedeutender Buchdruk­kerwerke des Zeitalters auf. Aus letzteren können wir zwei Beispiele aufführen, von denen das eine auf dem Titelblatt einer ve­nezianischen Ausgabe aus 1495 zu lesen ist, während das andere auf dem Deckblatt eines zwischen 1559 und 1509 in Lyon aus­gegebenen Werkes erscheint. Das erste stellt den Begriff des Neides gegenüber den christ­lichen Tugenden: „Virtus duce, virtute co­mité, Invidia manet post funera" 39 das letz­tere verknüpft die Tugenden mit dem Be­griff des Glückes: „Virtute duce, comité For­tuna"' 10 . Im Falle des Vasari-Freskos begeg­nen wir der bildlichen Übersetzung eines ähnlichen Gedankes. Es wäre also vorauszu­setzen, dass die Figuren des Silberbechers solche Begriffe personifizieren, die zusam­men in einem, aus dem 16. Jahrhundert stammenden Wahlspruch vorkommen. Die figürliche Verzierung des Bechers kann nicht als wortgetreue Illustration betrachtet werden; verhüllt, d. h. in emblematiseher Form weist sie auf einen bisher unbekannten Wahlspruch des Zeitalters hin. Ohne diesen Wahlspruch zu kennen, kann der Besteller des Bechers nicht identifiziert werden. Trotzdem können wir Obiges zu­sammenfassend feststellen, dass die Aus­wahl der den Becher verzierenden drei Figu­ren nicht zufällig war; ihr gemeinsames Vor­kommen muss als bewusste Verwirklichung eines ikonographischen Programms betrach­tet werden. Die auf der Wand des Bechers sichtbare, gra­vierte Banken- und Blumenornamentik ist den Figuren ähnlich von ausgezeichneter Qualität (Abb. 10, 11). Die aus miteinander verflochtenen Hanken gestaltete, reichlich wuchernde Pflanzenornamentik kommt am häufigsten auf den Kupferstichen der deut­schen und niederländischen Meister um 1500 vor. Diese charakteristischen Elemente der 12. MERKZEICHEN OES BECHERS 13. SIGNATUR TN DER ORNAMENTIK 45

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