Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 4. (Budapest, 1976)

SZILÁGYI, András: Ein Silberbecher mit Gravierungen nach Georg Pencz und H. S. Beham

ANDRÁS SZILÁGYI EIN SILBERBECHER MIT GRAVIERUNGEN NACH GEORG PENCZ UND H . S. BEHAM In memóriám Dénes Radocsay Es kommt selten vor, dass zur Bestimmung einer Goldselmiiedearbeit in erster Linie die figürliche Darstellung Hilfe leistet. Zur Bear­beitung dieser Werke scheint eine Methode geeignet zu sein, durch die die Werke der bildenden Künste analysiert werden. Der Renaissance Silberbecher mit gravierter Verzierung unserer Sammlung wurde in der Fachliteratur bisher nicht erörtert 1 (Abb. 1.). Der Becher wird durch einen einfachen Auf­bau gekennzeichnet, kaum erweitert er sich nach oben, der obere Rand biegt sieh etwas nach aussen. Becher von ähnlicher Gestalt, meistens aus Silber, wurden in den europä­ischen Goldschmiedewerkstätten von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis zum Ende des 17. Jahrhunderts massenhaft her­gestellt. Am Fuss des Bechers ist ein unauf­gelöstes Merkzeichen sichtbar; in einem Wappen drei I Majuskeln. Auf Grund des Auf­baus und des Merkzeichens lässt sich der Becher weder genau datieren, noch sein Herstellungsort feststellen. Die Wand des Bechers ist mit drei gravier­ten, von Ranken- und Blumenwerk umge­benen allegorischen Figuren dekoriert. Auf Grund der sorgfältigen Bearbeitung und der ausgezeichneten Qualität ist es anzunehmen, dass sie nach zeitgenössischen Stichvorlagen verfertigt wurden. Die drei dargestellten Fi­guren tragen die Merkmale des Stils der sog. „Kleinmeister" der deutschen Renaissance. Zahlreiche von ihren Attributen von kompli­zierter, allegorischen Bedeutung tauchen häufig auf den Werken der Kleinmeister in der nachdürerschen Zeit auf. Die eine Figur ist eine Kopie des sog. „Invidia "-Stiches von Georg Pencz 2 (Abb. 2), die anderen beiden Gestalten wurden nach zwei Kupferstichen — Infortunium bzw. Sieg der christlichen Religion — von Hans Sebald Beham herge­stellt. 3 In der mittelalterlichen Kunst kommt die allegorische Gestalt des Neides in den Serien der Tugenden und Laster, unter den Personi­fikationen der Sieben Hauptsünden häufig vor. Der Pencz-Stich hat jedoch keine Bezie­hung zu den mittelalterlichen Invidia-Dar­stellungen. Die Figur des Kupferstiches beisst nämlich in das Herz in seiner Hand; die leidenschaftliche, krampfhafte Bewe­gung, die verzerrte Mimik und die wirre Haare betonen den dämonischen Charakter der Gestalt. Auf beiden Seiten sind je ein Attribut des Neides und der Unbeständig­keit, d. h. ein Hund und eine gebrochene Säule zu sehen. Die Darstellung, deren lite­rarische Quelle nicht bekannt ist, muss als Illustration zu einem vom Anfang des 16. Jahrhunderts stammenden Sprichwort be­trachtet werden: „Der Neid mag nichts essen ausser sein Herz" 1 . Der ikonographische Typ 3 33

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