Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 2. (Budapest, 1974)
KISS, Ákos: Kunstgewerbliche Angaben zur neohellenischen Stilrichtung im 19 Jahrhundert
11. ESSIG- UND ÖLBEHÄLTER, SILBER, UNGARISCH Unter den aus dieser Zeit stammenden Goldschmiedearbeiten unseres Museums zeigt der Aufbau einer Wiener Kanne statt dem gesuchteren Ebenmass des Klassizismus die authentischeren und gedrungeneren Formen der historischen griechischen Toreutik. Auch die schwere Akanthusplastik ihres Giessers weist eher auf die schwerfälligen Züge der Historisierung (Abb. 9.). Die Palmettenreihen ihrer Sohle, die Perlenkettenglieder ihres Randes, bei ihrem Schnabelanschluss das lesboser Kymation zeigen die neohellenischen Bestrebungen, die damals — der Gegenstand stammt aus dem Jahre 1855 — neben dem vorherrschenden neobarocken Geschmack in der Kaiserstadt bereits zur Geltung kamen (Inv.-Nr.: 63.559, H: 21.5, B.: 8.5 cm). Der mit starker Plastik gearbeitete Henkel einer noch später als in der letzten Etappe des Klassizismus hergestellten Saucenschale zeigt in ihrer Vollständigkeit diesen neuen Stil (Abb. 10.). Ihre auf der Beobachtung der Goldschmiedekunst-Erinnerungen basierenden Formen waren später auch auf die sich entfaltende frühe Neorenaissance von Wirkung, dessen eine Komponente demnach neben dem Dekorreichtum des beginnenden 16. Jahrhunderts in Mailand auch der Neohellenismus wurde. Auf dem Schalenuntersatz ist die Lesboser Kymationsreihe, auf ihrem Rand das Blätterstabglied auch unabhängig vom Klassizismus; es ist ein Produkt des davon durch die Zwischenspiele der eingeschlossenen Romantik und des II. Rokoko getrennten neueren griechischen Geschmacks (Inv.-Nr. : 52.3270, H: 14, D.: 27 cm). Der Henkel eines Essig- und Ölbehälters weist noch vollkommen die neobarocken Formen der Mitte des Jahrhunderts auf (Abb. 11.); dessen, von seinen beigsamen Formen vollkommen abweichender zylinderförmiger Ständer aber ist — hier auf ziemlich disharmonische Art — dem neuen griechischen Stile nach geformt. Es wurde nach 1867 hergestellt. Der charakteristischeste Zug des neuen Stils ist das durchbrochene Meanderglied unter den Rändern, das sehr anschaulich gegenüber den immer symmetrischen, harmonischen Zierelementen des Klassizismus die neben der Schwerfälligkeit und Wuchtigkeit des neuen Stiles leich zur Asymmetrik führen152