Dr. J. Nemeskéri szerk.: Die spätmittelalterliche bevölkerung von Fonyód (Anthropologia Hungarica 6/1-2. Budapest, 1963)
EINLEITUNG In vorliegender Abhandlung setzte sich die Arbeitsgemeinschaft der Anthropologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums die biologische Rekonstruktion des mittelalterlichen ungarischen Gräberfeldes von Fonyód zum Ziel. Dass die Wahl auf dieses Gräberfeld fiel, begründeten zwei Gesichtspunkte. In erster Linie wünschen wir einen Teil unserer Schuld begleichen,die im Zusammenhang mit der Erforschung des spätmittelalterlichen Ungartums (13-16.Jh.) auf uns laötet, da ja aus dieser Epoche bislang kaum einige Gräberfelder aufgearbeitet worden sind /3, 7, 8, 9, 38/. Zweitens erwählten wir Fonyód aus dem Grunde, weil das Material in verhältnismässig gutem Zustand erhalten geblieben ist und daher sich zu einer umfangreichen Untersuchung als geeignet gezeigt hat. Daea wir unsere Zielsetzung nur begrenzt verwirklichen konnten, lag nicht an uns und ist den weiter unten bekanntgegebenen Ursachen zuzuschreiben. Wir glauben aber mit Recht hoffen zu dürfen, dass unsere mitgeteilten Resultate die anthropologischen Kenntnisse über die Population Ungarns aus der Periode zwischen der verhältnismässig gut erforschten Arpádenzeit (10-12.Jh. ) und der Gegenwart (19-20.Jh.) auch so mit einem wichtigen Kettenglied ergänzt werden. GESCHICHTE DES FUNDORTES UND DER AUSGRABUNG 1957-38 unternahm das ^stván Király Museum zu Székesfehérvár in der Gemarkung der am südlichen Ufer des Balaton (Plattensee) gelegenen Ortschaft Fonyód Grabungsarbeit en im Bereich einer zugrunde gegangenen kleinen Festung des Mittelalters. Die Grabungen wurden vom Direktor des István Király Museums Dr. J. FITZ geleitet; die Einsammlung des rathropologischen Materials führte seitens der Anthropologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums S.WENGER durch.Das archäologische Material wurde in das Balaton Museum zu Keszthely, das anthropologische in die Anthropologische Abteilung des Naturhistoi ..sehen Museums eingeliefert. Kurze Geschichte der Festung von Fonyód. Auf Grund der Zusammenfassung von Dr. J. FITZ können wir folgendes sagen /21/. Die Festung von Fonyód wurde 1547 zum Schutz gegen die Türken erbaut. Die kleine Festung trotzte jeder Belagerung der Türken bis sie schliesslich 1573 doch erobert und zerstört wurde. Sie wurde nie wieder erbaut und als die Türken vertrieben wurden, entstand auch das heutige Dorf nicht an der alten Stelle. Von der kleinen Festung blieb die im Jahre 1570 vom italienischen Genieoffizier GiULIO TURCO gefertigte Vermessung erh lten, in der sich eine mit Graben umgebene quadratische hirdschanze (für die Kavallerie bestimmte Festxing, sog. „huszárvár" = „Husarenburg" ), an den vier Ecken mit kleinen halbkreisförmigen Rondellen und mit einem nach Osten blickenden Tor zeigt. Im westlichen Teil ist die mit einem weiteren Graben umzogene innere Festung mit