Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

88 deutschen Sprache in die öffentlichen Verhandlungen bei, weil der Kaffer, der selbst nicht Latein verstand, schon in seinem natürlichem Sinne darin einen Widerspruch fand, daß die Sprache des Volkes und die der Regierung sich fremd sein sollten. Unter den Strafhandlungen des Kaisers treten nach dem Siege über Ottokar keine besonderen Kämpfe hervor, ein gewisser Thile Koluff oder Friedrich Holzschuh erschien im Jahre 1285 zu Neuß am Rhein, und gab sich für den wiedererstandenen Friedrich II. aus, hielt dann zu Wetzlar Hof, hatte aber seine Rolle bald ausgespielt. Im folgenden Jahre bezwang Rudolf den Eberhard von Würtemberg, Rudolf von Baren und sechzehn andere Grafen, wegen ihrer räuberischen Fehden gegen die Städte und reisende Kausteute, wobei er die Burg Stuttgart zerstörte. Auch nach Burgund that Rudolf einen sieg­reichen Zug, um sein habsburgisches Erbe gegen die Schweizer zu schüzen. Hier heiratete er noch in seinem hohen Alter die vierzehnjährige Jsabella von Burgund, und besiegte den Pfalzgrafen Otto von Burgund von einer Nebenlinie und den Grafen Reginald von Mömpel- gard, welche sich eifersüchtig über diese Heirat zeigten. Der Leztere hatte die Baseler überfallen, in einer blutigen Schlacht ein Viertheil der ganzen Bürgerschaft erschlagen und den Bischof gefangen genommen. Aber schon damals 1288 versagten die Berner dem Kaiser die Reichshilfe, und als er sie dazu zwingen wollte, wehrten sie sich so tapfer, daß er unverrichteter Sache abziehen mußte. Im Jahre 1290 zerstörte Rudolf in Thüringen 66 adelige Raubschlösser und ließ zu Ilmenau 29 adelige Räuber aufhängen. Bei seinem zunehmenden Alter wünsch­te Rudolf sehnlichst die Kaiserwürde in seinem Hause erblich zu machen, allein die deutschen Fürsten ließen sich nicht darauf ein, weil sie die Macht der Habsburger fürchteten. Im Unmuthe darüber starb Rudolf von Habs­burg, geliebt von seinem Volke und gefürchtet von seinen Feinden, nach einer 18jährigen segensreichen Regierung.

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