Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
80 Abend- und Morgenlandes, Kaiser Friedrich II. und Sultan Camel, verbanden sich, das den Muhamedanern wie den Christen heilige Grab den Gläubigen beider Religionen zur Andacht frei zu geben. Als Friedrich den Frieden wenigstens für einige Zeit im Orient befestigt, eilte er nach Italien zurük. Hier hatte der Pabst den Frieden, den Friedrich mit dem Orient geschloffen, verflucht und verdammt, und alles aufgeboten, die Ghibellinen gegen ihn zu waffnen. Als aber Friedrich wieder in Italien erschien, und seine treuen Oesterreicher, Tiroler, Kärnthner und Salzburger über die Alpen zu ihm stießen, da erzitterte der Pabst vor der deutschen Kraft, und ward bald zum Frieden und dahin gebracht, den Kaiser vom Banne 1230 loszusprechen. Friedrich II. widmete stch der Wissenschaft und den schönen Künsten, ließ durch seinen Kanzler Peter de Vincis 1231 sein Gesezbuch veröffentlichen, dem des Kaisers Gedanke zu Grunde lag, daß alle Macht auf Erden von der Hoheit des Kaisers nach altrömischen Begriffen ausgehe, wogegen der Pabft 1234 im entgegengesezten Sinne eine Sammlung von Gesezen ergehen ließ, die ihn als Stellvertreter Gottes und Herrscher des ganzen Erdkreises darstellen sollten. Fri edrich blieb in Italien, den Pabst in Schranken zu halten, während Engelbert, Erzbischof von Köln, den er als Reichsverweser zurükgelaffen hatte, um die übermächtigen Stände Deutschlands im Zaume zu halten, das Institut der Fehme oder des heimlichen Gerichts einführte. Fr iedrich hatte seinen ältesten Sohn Heinrich nach Deutschland bringen und ihm dort eine ganz deutsche Erziehung geben lassen; er war 1228 zum deutschen Könige gekrönt und zum Reichsverweser ernannt worden, ein Amt, zu dem er gar nicht taugte. Wild und unbändig verlor er alle Achtung, weil er sich vom Bischof Berthold von Straßburg, unfern Breisach, in einer unbesonnen begonnenen Fehde aus dem Felde schlagen ließ.