Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

63 seines Vaters ernannt und gekrönt, als sein tapferer Vater hinschied. Agnes, die Kaiserin Witwe, führte als Vor­münderin ihres Sohnes die Regierung; allein zu schwach ihr zu genügen, entsagte sie weinend beiden Aemtern, als der Erzbischof Hanno von Köln ihren Sohn am Oster­feste 1062 von Kaiserwehrt entführt hatte, und ging nach Italien in ein Kloster. Hanno erzog den Knaben Heinrich unter strenger Zucht; doch bei der Abwesenheit Hannos, der in Rom war, bemächtigte sich Adalbert, Erz­bischof von Bremen, des jungen Heinrich, und führte die Regierung als Reichsverweser; allein unter seiner Erzie­hung ging Heinrich schon als Knabe moralisch zu Grunde; denn, war er von Hanno mit der äußersten Strenge behan­delt worden, so ließ ihm Adalbert seinen ganzen freien Willen, den er auf's schlechteste anwandte. Im Jahre 1065 wurde Heinrich zu Worms feierlich wehrhaft gemacht. Kaum hatte er das Schwert an der Seite, so zog er es wie zum Scherze gegen Hanno, der zugegen war, und in diesem kindischen Muchwillen spiegelte sich zugleich sein Haß und sein Leichtsinn. Heinrich IV. gehörte von Natur zu jenen blutreichen, lebhaften, doch gutmütigen Men­schen, welche die liebenswürdigsten sind, wenn ihr Feuer nicht mißleitet wird, allein die untüchtigsten, unglüklichsten werden, wenn sie sich selbst oder andere leiten sollen. Solche Naturen sind nicht für den Thron geschaffen, wo das ruhigste Gleichmaß der Gesinnung und Handlung ver­langt wird; und so finden wir bei Heinrich IV. alle Feh­ler eines Menschen seiner Gattung gepaart mit den glei­chen Tugenden, die ans Tageslicht treten, je nachdem der Uebermuth tut Glüke oder die Verlaffenheit im Unglüke, die Schlechtigkeit oder Ueberlegenheit seiner Feinde ihn auf den Irrweg, oder das reuige Gefühl der eigenen Schande und die schöne Treue seiner Freunde ihn auf einen bessern Weg hinlenkten. Wir schreiben hier nicht seine Lebens­geschichte, wir können nur durch einzelne Züge das eben Gesagte bewahrheiten und zeigen, daß seine Regierung eine Pest für Deutschland war. Im ewigen Streite mit Rom,

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