Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
Wenn sich zu festlich Glanz die Fluren schmüken, Der Mensch, wenn ihn die Fesseln nimmer brüten, Ermannet freudig sich, er wirket, schafft — Des Winters langgewährte Rechte schwinden, Wo segenspendend Phöbus' Strahlen zünden! Drum zürnet nicht der sturmbewegten Zeit, Entreißt ihr grollend nicht die Binde, Und ihre Schreken bete die Vergessenheit, Die Gegenwart lebt fort in ihrem Kinde — Benüzet, was dies zarte Kind euch beut! Wollt ihr vielleicht mit jener Gottheit rechten? Sie konnte einzig nur den Knoten flechten, Den dann die schwache Menschenhand entzweit! Das Schlechte hat sich selbst bereits gerichtet: Der Starke kam und hat das Werk vernichtet! — Ihr Helden habt ein Denkmal hingeftellt. Ein unvergänglich Denkmal Eurer Thaten, Es ragt zwar nicht zum blauen Himmelszelt, Ist nicht erbaut aus ruhmeskündend Platten: Es reicht vom Marosflnß zum Alpenzug, Vom Böhmerwald zum fernen Grenzerlande, Und von der Adria flutbespültem Strande Nach Norden hin zum Weichselstrom und Bug — So weit nur Oestreichs weite Grenzen ziehen, So weit fürs Vaterland die Herzen glühen! — Daß Völker, die ein mächt'ger Zepter eint, Noch treu an Recht, Gesez und Glaube halten, Das Land nicht um verwirkte Zukunft weint, Daß nicht der Fremde übt ein lästig Walten, De s Bürgerkampfes Gräuel dich verschont, Da ß du nicht liegst, des Schrekens grause Statte, Das Elend mit Verzweiflung um die Wette Nicht ringt, wo einst die Eintracht hat gethront: Dieß sind der Krieger schönste Siegeszeichen, Die blutentsproßten Knospen, die nie bleichen! 150