Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

145 Als einst der Gallier rauhe Schaar Zerschmetternd schlug an Roma's Thore, Gab es ein leichtes Spiel, es war Die Stadt in einem Trauerstore. Entsezlich — nur der grausenhafte Tod Durchdrang die sonst so lebensvolle Stätte — Den Horden nun ein üpp'ges Bette — Und weit erscholl der frohe Spott Der mordesüchtigen Barbaren, Daß sie so schnell die Sieger waren. Ermittelt ward, durch tausend Pfunde Gold DaS Vaterland — das theure — zu erkaufen, Dem Antrag war der gier'ge Sieger hold, Und auf der Wage lag das Gold im Haufen — Da hieben Schwerter den Vertrag entzwei, Es war Camillus Heer hervorgeschoffen: Die gnäd'gen Götter hatten nicht beschlossen, Daß Rom durch Gold allein erhandelt sei! Entjagt aus großer Stätte war der Wilde, Die Kunst war heimgekehrt auf Roms Gefilde. Ja, Anstria, Du sinnst des Worts, da spielt Ein düstrer Zug im miloen Angesichte, Der Räthsel alle sind Dir lang enthüllt. Es mahnt Dich an die eigene Geschichte! Jedoch nicht um des Vaterlands Bestand, Um dessen Untergang sollt' man sich mühen, Da sahst Du Deine stolze Kriegsmacht ziehen, Die strafend der Faktion den Preis entwand: Weil es die gnäd'gen Götter noch nicht wollten, Daß schmachvoll Dich Verräther theilen sollten! • Als einst erhebend und in gold'ner Pracht Der neuen Freiheit hehrer Lichtstreif blinkte, Die freie Kraft begeisternd war erwacht, Und Oesterreich die Zukunft freundlich winkte: Da wagte der Verrath mit frevler Hand 10

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