Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

125 allen Unruhen aber, die im Lande entstanden, hatte Erz­herzog Albrecht, Bruder des Kaisers, den er haßte, die Hand im Spiel, und die mißvergnügten Landftände hoff­ten nicht umsonst auf dessen Schuz, der stch ihrer öffent­lich annahm und Alles aufbot, die Wiener zum Auf­ruhr gegen den Kaiser zu bringen. Albrecht traf am 2. November in Wien ein, nachdem die Bürger schon seit dem 20. Oktober den Kaiser in seiner Burg bela­gerten. Der Kaiser bewies in dieser Lage große Seelen- ftärke und Entschlossenheit; nur 200 streitbare steierische Männer standen ihm zu Gebot, die schwache Burg zu vertheidigen, die lebhaft beschlossen wurde und in der kaum auf drei Wochen reichende Lebensmittel vorhanden waren. Endlich kam Hilfe vom Könige von Böhmen; dessen Sohn Viktorin vereinigte sich mit 5000 Mann bei Fischament, mit den Truppen, die aus Steiermark, Kärnten und Krain für den Kaiser gegen Wien gerükt waren. Am 13. November stürmte er die Vorstädte Wiens dreimal vergebens. Da rükte am 14. König Georg von Podiebrad mit seinem Heere in Korneuburg ein. Durch des Königs Drohung in Furcht gefegt, hob der Erzherzog am 2. Dezember die Belagerung auf, am 4. holte Prinz Viktorin den Kaiser aus der Burg und begleitete ihn nach Korneuburg; es wurde ein Vergleich zu Stande gebracht und der Friedensvertrag unterzeich­net, doch von keiner Seite gehalten. Der kleine Krieg dauerte ununterbrochen fort, Albrecht hatte sich von den Wienern huldigen lassen, belegte ste aber mit unerschwing­lichen Abgaben Der Kaiser klagte seinen Bruder beim Reichstage, der im April 1463 den Erzherzog Albrecht mit der Reichsacht belegte. Da starb plözlich Albrecht am 2. Dezember und machte den Unruhen, die Oester­reich mit unsäglichem Elende erfüllt hatten, ein Ende. Der Türkenkrieg gab nun wieder die Veranlassung zu mehreren Reichstagen, im Februar zu Ulm, im März zu Nördlingen, und ein dritter wurde im November 1466 zu Nürnberg eröffnet; int lezten wurde festgesezt, daß

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