Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
120 Früchte hätte genießen können, die es von seiner Klugheit, Gerechtigkeitsliebe und Tbätigkeit zu erwarten berechtigt war. Albrecht war am 18. März 1438 zu Frankfurt durch die Stimmen aller Churfürsten zum römischen Kaiser gewählt worden; er zögerte diese Würde anzunehmen, weil ihm seine ererbten Reiche Böhmen und Ungarn genug zu thun machten, doch auf Zureden Herzog Friedrichs von Tirol nahm er 29. April 1438 die Krone an, und wurde an diesem Tage in der Stefanskirche zu Wien gekrönt. Nach Albrechts eigenem Ausspruche war der „Unterthanen Liebe des Fürsten reichster Schaz und ein treuer Freund das höchste Gut auf Erden." Daher sein Wahlspruch: Amicus optima vitae possessio. 36. Friedrich 111. von Oesterreich, Herzog von Steiermark, der Friedfertige, geboren den 23. Dezember 1415, wurde am 2. Februar 1440 von den Churfürsten einstimmig zum römischen Kaiser erwählt. Dieser Fürst hatte damals erst das 24. Jahr erreicht, in der lebenskräftigsten Blüthe schien er den deutschen Ständen ganz geeignet, die Krone mit Würde zu tragen. Allein es war ein bedenkliches Wagstük, die Regierung eines Reiches ans sich zu nehmen, das in seinem Innern so zerrüttet und durch eine Reihe von Jahrhunderten das Opfer des Eigennuzes, der Unwissenheit und des Starrsinns seiner Vertreter war. Auch war Friedrich ohne Hausmacht, da er nur die Herzogthünier Steiermark, Kärnten und Krain besaß. Nach langem Zögern und Bedenken erklärte Friedrich endlich im April 1440, daß er die deutsche Krone annehme; allein die ungarischen und böhmischen Angelegenheiten gestatteten für den Augen- blif die Krönung nicht. Die katholische Christenheit war noch immer durch die einander feindlich gegenüberstehenden Koncilien zu Basel und Florenz und durch die Gegen- pabste Eugen iV. und Felix V. in Parteien zerrissen. Eine Fürstenversammlnng tn Frankfurt, bei der der Kaiser zugegen war, brachte keine Versöhnung zu Stande,