Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

105 Vorschriften Pabst Innozenz VI. von Avignon aus, selbst der schimpflichen Bedingung. Rom am Krönungstage wie­der zu verlassen, welches er auch unter dem Vorwände der Jagd vollzog; und so ward Karl IV. zu Rom am 5. April 1355 am Ostertage vom Pabst Innozenz VI. zum Kaiser gekrönt, nachdem er am 6. Januar die lom­bardische Krone in Mailand empfangen hatte. In Ita­lien ließ er alles wie es war, nur daß er sich von den Viskontis und allen Häuptern der neuen Stadtrepubliken und Herzogthümer die Unabhängigkeit von allen Reichs- pstichten abkaufen ließ. Pabst Innozenz war 1362 ge­storben, und im Jahre 1367 erlebte Rom das wunder­bare Schauspiel, daß der deutsche Kaiser den Pabst Ur­ban V in seine heilige Stadt wieder einsührte (ein Schauspiel, welches sich im Jahre 1814 wieder erneuerte, wo die Truppen Kaiser Franz I von Oesterreich den von Kaiser Napoleon in Fontainebleau gefangen gehaltenen Pabst Pius Vili. wieder nach Rom einführten), indem Karl 1V-. im kaiserlichen Schmuke vor dem reitenden Pabfte zu Fuß einherging und sein Pferd am Zügel führte. Ein großer Zweck war dadurch erreicht; denn obgleich Urban in einem Jahre nach Avignon wieder zurükkehrte, weil er, ein geborner Franzose, der Parteien in Rom nicht mächtig werden konnte, so ermuthigte doch sein Beispiel seinen Nachfolger, Gregor XI., seinen Siz wieder in Rom zu nehmen; als dann nach dessen Tode ein Pabst in Rom, ein anderer in Avignon gewählt wurde und sich um die geistliche Herrschaft stritten, mußten diese aufhören, dem weltlichen Reiche gefährlich zu sein, und dieß war was Karl wollte. Suchte nun Karl die Verbindung der mächtigsten Feinde des Reichs zu trennen, so trachtete er umgekehrt in Deutschland eine Einheit zu schaffen. Wenn die so­genannte goldene Bulle vom Jahre 1356, publizirt auf dem Reichstage zu Nürnberg am 10. Januar 1365, die Einrichtungen Karls nicht verewigte, so bezeichnet sie doch vollkommen den Umfang seiner damaligen Macht. In

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