Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
103 fürsten begleiteten die Leiche unter kaiserlichem Pompe zu Grabe; hierauf wurde er von den Fürsten zum Kaiser gewählt und in Aachen gekrönt. Im Jahr 1318 deuteten furchtbare Zeichen des Himmels unheilschwangere Zeiten an; ein Erdbeben von unerhörter Stärke verwüstete Cypern, Griechenland, Italien und die Alpenländer bis Basel, Berge stürzten ein, in Kärnten wurden die Stadt Villach und 20 Ortschaften zerstört. Diesen Schreknifsen folgte eine mörderische Pest auf dem Fuße und breitete sich über ganz Europa aus, nur in Deutschland soll ne nicht so heftig aufgetreten sein wie in andern Ländern. Die Pest begann -348. sie wüthete am heftigsten 1349 und nahm dann allmälig wieder ab. Neben ihr wüthete die Judenverfolgung , durch den Glauben entstanden, als hätten die Juden Mißbrauch mit der geweihten heiligen Hostie getrieben und dadurch die Pest als Strafe des Himmels ins Land gezogen. Der Judenmord ging von der Schweiz aus und verbreitete sich vom Rheine über ganz Deutschland; Hunderttausende von Juden wurden verbrannt, in Eßlingen verbrannten sie sich sogar selbst in ihren Häusern, nur König Kasimir von Polen nahm die dahin fliehenden Juden, seiner schönen Esther zulieb, freundlich auf, seit welcher Zeit Polen von Juden wimmelt. Alle Lebensverhältnisse wurden dadurch ge-- stört, nur die Politik ließ sich nicht irre machen, und mitten unter den Schreken der Natur fegten die Häuser Luremburg und Wittelsbach ihren Kampf fort, der so giftig und scheußlich geführt wurde, als sei er ein Kind jener Pest selbst. Karl IV. war einer der merkwürdigsten Kaiser und der erste, der die wälsche verderbliche Politik in Deutschland einführte, welche seine Vorfahren so männiglich wie unglüklich bestritten hatten. Mit der Ehrlichkeit, schien er zu denken, ist es vorbei, man muß nichts als klug sein, dahin deutet auch sein Wahlspruch: „Das Beste ist, von dem Unsinne anderer Nuzen zu ziehen." Das