Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
100 König von Neapel aufS Neue in die Reichsacht, sezte den französischen Pabst Johann XXII. ab, und dagegen Nikolaus V., einen Minoriten, welcher Orden dem Kaiser auch im Kirchenbanne treu ergeben blieb, zum Pabste ein, der ihn in Rom am 16. Januar krönte. Allein die Ghibel- Imen verließen ihn, die Zahl der deutschen Truppen war gering, die Römer erregten einen Aufruhr gegen sie, und da Deutschland keine Verstärkungen schifte, auch die Nordgrenze des Reiches von dem tapfern Herzoge Barnim von Pommern hart bedrängt wurde, so that des Kaisers Rükkehr äußerst Noch. Inzwischen war Kaiser Friedrich am 13. Jänner 1330 auf dem Schloße Gut- tenstein in Niederöfterreich gestorben, der Sage nach durch einen Liebestrank vergiftet, und in demselben Jahre kam Ludwig ins Reich zurük. Sein Unglük in Italien und in Brandenburg an der Nordgrenze, so wie die neue feindliche Stellung zum Hause Habsburg unter Herzog Albrecht dem Lahmen, dann die unsichere Freundschaft König Johanns von Böhmen, den er als Statthalter nach Italien gesandt hatte, und der Miene machte, Italien für sich zu nehmen, stürzten den Kaiser in Kleinmuth; Pabst Nikolaus war gefangen und abgesezt, und Johann XXII. fuhr in seinem Hasse gegen Ludwig fort. Dieser suchte um jeden Preis seine Versöhnung mit dem Pabste zu erwirken, allein Frankreich suchte dies zu hintertreiben, und der Pabft that Alles was Philipp wollte. Da ermannte sich der Kaiser und ließ die Unterhandlungen wieder fallen; zum Glück für ihn starb Pabst Johann 1334 zu Avignon, und sein Nachfolger Benedikt XU. war friedlicher und bedauerte mit Thränen, daß er wegen den Drohungen des Königs Philipp von Frankreich ihn vom Banne nicht lossprechen könne. Im Jahre 1338 berief Kaiser Ludwig die deutschen Fürsten zu einem Reichstage nach Rhense, wo der berühmte Kurverein geschlossen und bestimmt wurde, daß in Hinkunft die Wahl des Kaisers nur durch die Kur