Közlemények Zala megye közgyűjteményeinek kutatásaiból - Zalai Gyűjtemény 28. (Zalaegerszeg, 1989)

Gyyulai Ferenc: A honfoglaló magyarság gabonatermesztése II.

FERENC GYULAI GETREIDEPRODUKTION DES LANDNEHMENDEN UNGARNTUMS II. Das Weiterleben der Gedankenwelt der nomadischen Lebensform hat auch solche Ansichten durchdrungen, nach welchen in der Árpádenzeit (10. bis 13. Jh.) die wichtigste Ackerpflanze der Ungarn die Hirse war. Der Gerstenanbau wird nicht in Zweifel gezogen, jedoch wird ausschliesslich die zweireihige Gerste (Hor­deum distichon L.) vorausgesetzt. Der Weizen der Landnahmegeit beschäftigt schon seit langem die Fachleute, welche sich mit der Geschichte der Pflanzenproduktion befassen. Leider besteht noch immer die Ansicht, lass unsere Vorfahren den zwei­äugigen Weizen (Triticum dicoccum SCHRANK) anbauten und mit sich in das Kar­patenbecken einbrachten. Auf Roggen und Hafer bezogen ist die Meinung der His­toriker und Sprachwissenschaftler die, dass zur Zeit des Einzuges des Ungarntums in seine neue Heimat, sie diese Pflanzenarten wohl kannten aber nicht anbauten. Vielmehr übernahmen sie die Kenntnisse des Anbaus von der hier vorgefundenen slawischen Bevölkerung. Recht verbreitet scheint in dieser Zeit der Weizen- und Roggenanbau als Mischkorn im Verhältnis 1:1 (eventuell als gemischte Aussaat). Ein spezieller Zweig der Botanik ist die archäologische Botanik oder Archae­botanik (in deutschsprachiger Fachliteratur auch: Paläoethnobotanik). Sie beschäf­tigt sich mit denen aus archäologischen Zeitabschnitten entstammenden Pflanzen­funden, mit der Bestimmung ursprünglich pflanzlicher Produkte. In erster Linie können wir uns auf Grund der Ergebnisse dieses Wissenschaftszweiges ein Bild über den Pflanzenanbau unserer Vorfahren machen. Im Folgenden werden in Reihenfolge der Häufigkeit des Vorkommens die Get­reidearten von den verschiedenen árpádenzeitlichen Fundplätzen aufgezeigt.: Weizen: gemeiner Weize (Triticum aestivum L.). Zwergweizen (Triticum aesti­vum L. ssp. aestive-compactum SCHIEM). Hirse: Anbauhirse (Panicum miliaceum L.) Roggen: gemeiner Roggen (Seeale céréale L.) Gerste: zweireihige Gerste (Hordeum distichon L.) blütendeckellose Gerste (Hor­deum vulgare L. convar nudum (L.) ROTHM.), vierreihige Gerste (Hordeum vul­gare L.), sechsreihige Gerste (Hordeum vulgare L. convar. hexastichon (L.) ALEF.) Hafer: Futterhafer (Avena sativa L.) Diese Getreidefunde beweisen auch, dass in unserer Heimat in der Árpáden­zeit eine entwickelte Pflanzenanbaukultur bestand und die Bevölkerung eine sess­hafte, Ackerbau betreibende Lebensweise besass.

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