Szentmihályi Imre: Hetés és Lendvavidék néprajzi sajátosságai - Zalai Gyűjtemény 7. (Zalaegerszeg, 1977)

Ethnographische Eigenarten von Hetés und der Lendvagegend

Erinnerung an das vor fast 200 Jahren abgeschaffte Hetéser Gericht wahrt noch ein Sprichwort: („Er geht der Reihe nach herum wie das Hetéser Gericht"). In Hetés ist die Koseform des Taufnamens Miklós (Nikolaus) „Piku" sehr häufig, darum werden die Bewohner von Hetés von den Leuten der benachbarten Kerka-Gegend („Heteser Piku") verspottet. Der Rufname „Piku" war jedoch nicht nur in Hetés, sondern in der ganzen Lendvagegend allgemein, mithin ist er gewissermaßen eine ethnische Eigenart der Lendvagegend. Die eigenartige, archaische Hetéser Mundart wird nicht allein in Hetés, sondern auch etwas südlicher in der gesamten Lendvagegend gesprochen. Die „Hetéser" Mundart ist ein wesentlicher Bestandteil der ethnischen Eigenarten der Lendvage­gend. Anschließend untersucht die Arbeit die ethnographischen und die damit verbun­denen sonstigen Eigenarten von Hetés und deren Verbreitung eingehend. Als Aus­gangspunkt dienen Menschen und Landschaften von Hetés. In Hinblick auf Volkstum, Gesellschaft und Religion ist Hetés einheitlich (Ungarn, ehemalige Leibeigene des ilerrschaftsgutes Alsólendva und katholisch). An ihren Grenzen bestehen im Wes­ten volkliche (Slowenen), im Osten gesellschaftliche (andere Domäne und Angehö­rige des niederen Adels) Unterschiede. Nach Süden weicht Hetés vom Volk der Lend­vagegend nicht ab. Die anthropologischen und psychologischen (sowie archäolo­gischen) Forschungen sind lückenhaft, gewiß ist jedoch, daß sich das Ungarium der Lendvagegend mit den benachbarten Slowenen (im Westen) und Kroaten (im Süden) mehr vermischte als mit den entfernter wohnenden. Ungarn, was auch im anthro­pologischen Charakter und der Volkskultur (z. B. die kroatische Patscha-Tracht, vielleicht auch die Buntweberei) zum Ausdruck kommt. Die Beziehungen weisen auf eine größere kulturelle Einheit hin. Dies tangiert die Tatsache nicht, daß die ßewon­ner der Lendvagegend innerhalb des Ungartums eine besondere ethniscíie Einheit bilden, wobei das andere Volk — trotz der interethnischen Übereinstimmungen — zugleich die Grenze des gegebenen Ethnikums darstellt. In geographischer Hinsicht läßt sich Hetés anscheinend nur schwer abgrenzen, zumal es sich — mit Ausnahme des nördlichen Teils — überall um Flachland han­delt. Früher, ungefähr bis zur Mitte des vorigen Jahrunderts, war dies anders: Hetés wurde im Osten durch ausgedehnte Sumpfgebiete, im Süden hingegen durch große Waldungen abgeschlossen. Offen war Hetés nur im Südosten und Nordwesten, ent­lang des Straßenzuges Alsólendva—Dobronak. Die verhältnismäßig geschlossene Hetés­Gegend ist jedoch ein organischer Teil einer größeren und geschlosseneren Einheit, der Lendvagegend, in deren nordöstlichem Winkel sich Hetés befindet. Die Lendva­gegend ist besser abgrenzbar als Hetés, da ihr Gebiet nur in Nord- und Südwesten nicht geschlossen ist. Die geographischen Gegebenheiten bestimmten auch die Bewirtschaftung stark. In der feuchten, wasserreichen Gegend waren Fischerei und Waldwirtschaft im wei­ten Umkreis bedeutsam; der Ackerbau spielte eine untergeordnete Rolle. Hierin gibt es in dieser Gegend keine ethnischen Unterschiede. Die Weidewirtschaft war allem Anschein nach in der gesamten Lendvagegend seit jeher von hervorragender Be­deutung, doch erfordert dies noch weitere Vergleichsforschungen. In den Siedlungs­formen bestehen keine landschaftlichen Differenzen. Gegenüber den benachbarten ungarischen Gebieten auch in der Bauart nicht. Der in Hetés übliche Hochzeits­kuchen — der „Fumü' — war auch in den entfernteren ungarischen Gegenden be­kannt. Demgegenüber war das Verbreitungsgebiet der breiten und reich verzierten (hoch­geheckelten) Webereien, Stickereien und Volkstrachten, vor allem bei Frauen (früher weiße Leinen- und später bunte, fabriksmäßige Trachten) identisch. Diese Elemente waren — ähnlich der Mundart — nicht allein in Hetés, sondern in der ganzen Lendva­gegend lebendig. Daraus zeichnet sich entschieden eine Einheit um Alsólendva ab, die wesentlich größer ist als Hetés (die Ende des vorigen Jahrhunderts aus ca. 23 Siedlungen be­stand) : die ungarische ethnische (ethnographische und mundartliche) Gruppe der Lendvagegend, die gut umgrenzt werden kann und bloß im Südosten einige Gemein­den mit Ubergangscharakter aufweist.

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