Vízügyi Közlemények, 1999 (81. évfolyam)

2. füzet - Nagy László: Velence megóvása az árvíztől

308 Nagy László Der Schutz von Venedig vor dem Hochwasser von Dipl.-Ing. László NAGY Venedig befindet sich innerhalb der sich auf 550 km 2 erstreckenden Lagune (Bild I). Die Stadt wurde immer wieder von dem durch die Meeresflut ausgelösten Hochwasser heimgesucht, doch hat sich das Problem besonders in unserem Jahrhundert verschärft. Zu seinem Anfang wurde der H 1. Markus-Platz jährlich 5-7mal überschwemmt (Bild 2), was bei Wasserständen über 1,00 m über „durchschnittlichem" Seewasserstand der Adria eintritt. Bis zum Ende des Jahrhunderts hat sich die­se Häufigkeit auf 40-60 pro Jahr erhöht, wobei im Jahrzehnt 1970-79 es sogar zu 1013 Über­schwemmungen kam. Dabei hat auch die Höhe der Hochwässer zugenommen. In der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts kam es nur einmal zu einem Wasserstand von 1,41 m Ü.M.N., in der zweiten Hälfte schon mehrere Male, wobei im Jahre 1966 sogar ein außerordentlicher Hochwasserstand von 1,94 m ü. M. N. verzeichnet wurde. Unmittelbare Ursache des Hochwassers ist die infolge Windtätigkeit entstandene Meeresflut, die durch den Wellengang und die Schwankung des Seewasserspiegels noch weiter verschärft wird. Eine weitere unmittelbare Ursache ist eine allgemeine Erhebung Wasserspiegels des Adriati­schen Meeres. Entlang der italienischen Küste wurde zwischen 1900 und 1975 überall eine Erhö­hung von 0,07-0,08 m verzeichnet. Dazu kommt noch eine allgemeine Senkung des Geländeniveaus der Stadt. Venedig wurde auf schwach konsolidierten Deltasedimenten erbaut, infolgedessen das Geländeniveau zwischen 1900 und 1975 um etwa 0,03-0,04 m sank. Die Wasserversorgung der Stadt erfolgt aus einem unter diesen Sedimenten liegenden Aquifer, dessen Kompression während derselben Zeitspanne auf 0,12 m ge­schätzt wird. Der relative Höheverlust der Stadt während 70-75 Jahre mag also bei 0,23 m liegen. Ein weiterer Faktor der ständig zunehmenden Hochwasserschäden ist die Senkung der pfahlgestütz­ten Gebäuden. Außer den Hochwasserüberschwemmungen wird Venedig auch noch von den folgenden fakto­rén gefährdet: — Die herkömmliche Gründungsstruktur der Häuser und Paläste ist der Pfahl, dessen in der durchschnittlichen Wasserspiegelshöhe angebrachter Kopfbalken aus hartem, der Feuchtig­keit wiederstehenden Marmor von Istrien besteht. Bei höheren Wasserständen können die auf dem Marmor ruhenden weicheren und poröseren Ziegelsteine vom Salzwasser ange­griffen und erodiert werden. — Das Wasser der Lagune ist stark verschmutzt, da Venedigs historische Häuser über sog. „Schwarzbrunnen" (d.h. Abwassersammler) errichtet worden waren. Weder das Stadtzent­rum, noch die Siedlungen der Umgebung verfügen über moderne Systme der Abwasser­sammlung und -klärung. Die mit dem Schutz vor Hochwasser der Stadt Venedig zusammenhängende Probleme sind komplex und weitverzweigt. Ihre Lösung kann keineswegs mit einfachen Ingenieur-Methoden an­genähert werden. Den Rahmen für die Arbeiten bildet eine integrierte Planung des Einzugsgebietes und der Küstenzone, basierend auf dem Konzept einer erhaltbaren Entwicklung auf verschiedene Zeithorizonte. Die Entwicklung des Hochwasserschutzes von Venedig muß auf drei unabhängigen, miteinander trotzdem verflochtenen Gebieten verwirklicht werden Integrierung des wirtschaftlichen Lebens der Stadt, Abwehr der Verschmutzung und Hochwasserschutz. Das wirtschaftliche Leben der verfallenden und aussterbenden Lagunenstadt soll entwickelt werden. Das Dienstleistungs-Gewerbe für Tourismus, als die hauptsächliche wirtschaftliche Tätig­keit der Stadt, soll gekräftigt werden. Um die Wasserbeschaffenheit der stark verschmutzten Lagune zu verbessern, müssen die in ih­rem Einzugsgebiet anfallenden Abwässer bis zu 80% gereinigt werden, innerhalb der Lagune muß aber jegliche Verschmutzung durch Industrie und Haushalte verboten werden.

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