O. G. Dely szerk.: Vertebrata Hungarica 18. (Budapest, 1978)

Stohl, G.: Verzwergter Belgischer Riese – ein Kaninchen-Inzuchtstamm 67-77. o.

aufgefunden werden. Ihre Anwesenheit in der Umgebung oder vielfach an der Oberfläche der Nebennieren erwies sich aber vom Inzuchtgrad des betreffenden Tieres als vollkommen unabhängig. Dass die Anwesenheit oder Fehlen von ak­zessorischen Nebennieren wie streng durch den Genotyp des Tieres bestimmt wird, beweist vor allem der Umstand, dass in der experimentellen Endokrino­logie zur Nebennierenexstirpationen nur Wistar-Ratten herangezogen werden dürfen, die nie solche akzessorische Nebennieren besitzen. Zahl der Präsacralwirbel. Unter den Körpermassen, die sich in stren­ger Korrelation mit der Abnahme des Körpergewichtes im Laufe der Heraus­züchümg unseres Stammes ebenfalls verminderten, erwies sich die Rumpflän­ge weniger betroffen zu sein (vgl. Abb. 2.). Die relativ grössere Rumpflänge der Tiere lässt sich wohl damit erklären, dass eine überwiegende Mehrzahl dieser Inzuchttiere anstatt 26 Präsacralwirbel 27 besitzt. SAWIN (1945) war seinerzeit der Meinung, dass eine Erhöhung der Zahl der Präsacralwirbel als ein Heterosiseffekt gedeutet werden muss und nichts anderes als ein rein kor­relatives Merkmal der genetisch bedingten Verlängerung der Lendengegend bei schneller anwachsenden heterozygoten Tieren sei. Die zahlreichen Analy­sen, die an Hausschweinen zwecks Verbesserung der Ausschlachtungsergeb­nisse durchgeführt worden waren, brachten in der Tat einen eindeutigen Be­weis für das Bestehen einer Korrelation zwischen der Länge des Rumpfes und der Zahl der Präsacralwirbel, aber gleichzeitig konnte auch eine hohe Heri­tabilität für die Zahl dieser Wirbel festgesteUt werden (BERGE, 1948; RO­BERTSON, 1959). Auf die erhöhte Zahl der Präsacralwirbel unseres Inzucht­stammes "medium­sized Flemish Giant" haben zum erstenmal FÁBIÁN und ERNHAFT (1959) anhand eines Kreuzungsexperiments hingewiesen, das zwi­schen den Tieren dieses Stammes und ungarischen Wildkaninchen durchge­führt worden war. In den 50er Jahren - als die Kreuzungsexperimente der er­wähnten Autoren durchgeführt wurden - fanden sie bei etwa 80% der sezierten Tiere 27 Präsacralwirbel und nur bei etwa 20% die für Wild- und die meisten Hauskaninchen bezeichnende "normale" Zahl: 26 (op. cit. p. 50). Die Ergeb­nisse der innerhalb unseres Inzuchtstammes durchgeführten Paarungen be­rücksichtigend stellten FÁBIÁN und ERNHAFT gleichzeitig fest: "We found that also types supposed to be recessive (i.e. those with 27 vertebrae), when mated inter se, produce some descendants with 26 vertebrae. " Die strenge genetische Bedingtheit der erhöhten Präsacralwirbel-Zahl betonend, weisen beide Autoren SAWIN's Behauptung zurück. "SAWIN claims to have observed, in one of his crosses the extension of the lumbar region, as a sign of hetero­sis. We saw no heterosis in our crosses between wild and tame rabbits, but we must emphasize the strong dominance of the wild spinal type. " (op. cit. p. 55.). Im weiteren Verlauf der fortschreitenden Inzucht - völlig unabhängig von der um die Mitte der 60er Jahre auftretenden Vergrösserung der plan­mässig gezüchteten SN Blutgruppen-Heterozygoten - nahm die Häufigkeit der Tiere mit 27 Präsacralwirbeln langsam, aber ständig zu. Einige Tiere be­sassen aber noch bei der im Jahre 1971 aufgegebene Zucht die normale Zahl (26) der Präsacralwirbel. Da die meisten Riesenkaninchen ebenfalls 27 Prä­sacralwirbel besitzen, scheint dieses genotypisch streng determinierte Merk­mal von dem allgemeinden Rückgang der Körpergrösse völlig unbetroffen ge­blieben zu sein.

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