O. G. Dely szerk.: Vertebrata Hungarica 18. (Budapest, 1978)

Stohl, G.: Inzuchtversuche mit ungarischen Feldmäusen (Microtus arvalis Pallas) 55-66. o.

Schlussfolgerungen In fortpfianzungs biologis cher Hinsicht weist unsere Feldmaus (Microtus arvali s /PALLAS/) einige Besonderheiten auf, die mit aller Deutlichkeit zei­gen, dass die Fortpflanzungstätigkeit dieser Microtus-Art nicht mit jener der üblichen Laboratoriumstieren verglichen werden darf. Vor allem scheint eine - wenn auch beschränkte - Partnerwahl sowohl eine vollständige "random mating" innerhalb der Population unmöglich zu machen als auch gegen eine Inzucht zu wirken, obwohl sie letztere zu beseitigen nicht imstande ist, da die Partnerwahl von dem Verwandtschaftsgrad der Tiere unabhängig ist. Auf eine Inzucht reagieren Feldmäuse (wenigstens die von uns untersuchten unga­rischen) viel stärker, als andere Nagetiere, wie z.B. wildlebende osteuro­päische Hausmäuse ( Mus musculus spicilegus PETÉNYI). Da unter den In­zucht-Feldmäusen mit einem Inzucht-Koeffizient von 25-37, 5% auch einige sich gut fortpflanzende Exemplare befinden, scheint die Abnahme der Vitalität in grossem Masse von dem Genotyp des betreffenden Tieres abhängig zu sein. Dies bedeutet, dass es in dem Genbestand einer konkreten Feldmaus-Popula­tion die Anzahl der letalen, bzw. subletalen Gene ziemlich hoch sei und des­halb ist auch die genetische Gefährdetheit unserer Feldmaus-Populationen be­deutend. Ein anderes Problem ist der Typ der Ovulation. Im allgemeinen wird behauptet (BASENINA, 1962; KRATOCHVIL, 1959; STEIN, 1958 u.a.), dass bei der Feldmaus die Ovulation - zwar in einem sehr kurzen Zyklus - spontan erfolgt. Der Umstand aber, dass die erste Geburt nach dem Zusammenlassen der Paare - faUs sie sich als Geschlechtspartner gegenseitig annahmen - in 19-20 Tagen regelmässig zu beobachten war, scheint aber für eine durch den Coitus ausgelöste Ovulation zu sprechen. Da bei einigen anderen Arten der Gattung Microtus eine durch den Coitus ausgelöste Ovulation tatsächlich nach­gewiesen werden konnte (wie z.B. bei Microtus guentheri DANFORTH and ALSON; ASDELL, 1964, p. 301), darf es vielleicht angenommen werden, dass unter Umständen die Ovulation auch bei unserer Art durch den Coitus ausge­löst wird. Die fortpflanzungsbiologischen Eigentümlichkeiten der Feldmaus ( Micro­ tus arvalis /PALLAS/) stehen also im engsten Zusammenhang mit den natür­lichen Lebensbedingungen der Art. Die durch eine vorübergehende Überver­mehrung verursachte Inzucht, trotz der dadurch den konkreten Bestand ver­ursachten Schaden, beeinflusst letzten Endes doch positiv die Erhaltung der ganzen Art, da sie die Ausmerzung der letalen, bzw. subletalen Gene beför­dert. Die überlebenden Tiere müssen unbedingt die Träger der vorteilhafsten Genkombinationen, bzw. Einzelgene sein. Biologisch betrachtet können die Folgen einer Übervermehrung mit der durch den Menschen zielbewusst fort­geführten künstlichen Selektion gleichgesetzt werden.

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