O. G. Dely szerk.: Vertebrata Hungarica 18. (Budapest, 1978)
Dely, O. Gy.: Angaben zur morphologischen Variation der Eidechsenarten Ungarns. 1. Bergeidechse (Lacerta vivipara Jacquin) 7-54. o.
chens an beiden Seiten des Kopfes zwischen dem Postokulare 1. und dem Parietale, möchte ich ebenfalls nicht zu den einfachen, zufälligen Aberrationen zählen. Das letztgenannte akzessorische Schildchen wurde auch von FEJÉRVÁRY (1923) an einigen Bergeidechsen aus der Umgebung von Felsőbabád beobachtet und er nannte es Orbito-Parietale. Die ziemlich variable Berührungsweise der die Nasenlöcher umgebenden Schilder, auf deren phylogenetisch Bewertung ich an dieser Stelle verzichten möchte, kann - meiner Ansicht nach ebenfalls nicht zu den einfacher Aberrationen gerechnet werden. Als Anomalien sensu stricto betrachte ich aber asymmetrische Anordnung verschiedener Schilder im Pileus und an den Seiten des Kopfes, sowie jene akzessorische Schildchen, die dadurch entstanden sind, dass sie sich während der Ontogenese von einem bestimmten grossen Kopfschild abgespalten haben und zu selbständigen Gebiete geworden sind. Auch das unregelmässige Zusammenwachsen von ursprünglich selbständigen Kopfschildern und die auf die Bergeidechse nicht bezeichnenden Furchenbildungen dürfen meiner Ansicht nach nicht als Atavismen gedeutet werden. Aus der auffallend hohen Zahl der für die Bergeidechse nicht charakteristischen einfachen Anomalien, sowie den vielen anderen als Atavismen oder als Beweise für die Verwandschaftsverhältnisse unserer Art aufgefassten Merkmalen der Kopfschilderung, bzw. der Anordnung der Kopfschilder und weiterhin aus der allgemeinen grossen Variabilität, die vor allem im bestimmten Populationen überaus hohe Masse erreichen können, dürfen wir den Rückschluss ziehen, dass die Ursache der grossen Veränderlichkeit letzten Endes "in der Abnahme der Energie des Organismus zu suchen ist" (MÉHELY, 1911). Diese Annahme scheint auch durch Chromosomen-Analysen unterstützt zu sein. ARNOLD (19 73) weisst darauf hin, dass bei Lacerta vivipara aus der für die ganze Schippschaft bezeichnenden Chromosom-Garnitur zwei kleine Chromosomen (Microchromosomen) verschwunden sind, was einen hohen Differenzierungsgrad unserer Art beweist. Da es unter den von mir studierten Populationen diejenigen in grösster Zahl durch veränderte Merkmale charakterisierte Tiere besassen, die aus den Tiefebenen Ungarns und Polens stammten, in jenen Populationen aber, die in den Ebenen nördlicherer Gebiete oder in Gebirgsgegenden gesammelt worden sind, der für die Art Lacerta vivipara charakteristische Merkmalskomplex vorherrschend war, konnte man vielleicht annehmen, dass die Abnahme der "organistischen" Energie in den Populationen der beiden ersterwähnten Fundorte grösser gewesen sein durfte. Weiterhin scheint es mir auch die Annahme gerechtfertigt, dass die Bergeidechsen-Bestände aus den Ebenen eine altertümlichere Form der Art verkörpern, als die der Berglandschaften. Darauf können wir aber noch einen weiteren Rückschluss ziehen: vor den Glazialperioden war die Bergeidechse eine Art des Tieflandes, sie musste ein Bewohner der dem Eisdecke vorgelagerten Tiefebenen mit kühlem Klima gewesen sein. Nach dem Rückzug der Eisdecke wurde sie gezwungen in die ihr zusagenden kühleren und feuchteren Biotopen der Gebirgsgegenden hinaufzuziehen. Jene Bestände aber, die in der Tiefebene zurückgeblieben sind, konnten sich natürlich nur in solchen Gegenden weiterhin aufrechterhalten, wo die Lebensverhältnisse den Ansprüchen der Art Lacerta vivipara entsprechend waren, vor allem in Gegenden mit kühlem, feuchtem Mikroklima, wie in Torfmooren. Da diese Rückzugsgebiete der Bergeidechse mit der fortschreitenden