O. G. Dely szerk.: Vertebrata Hungarica 15. (Budapest, 1974)

Dely, O. Gy.: Könyvismertetés 105-111. o.

rebt, die Bedeutung der Entstehung von neueren Taxonen verschiedener Stufen (Gattung, Art, Unterart) für die zur Zeit feststellbaren Formenmannigfaltigkeit aufzuklären, so berücksichtigte er vor allem die sog. Ausbreitungszentren. Es gelang ihm nachzuwei­sen, dass neuere Taxonen, neuere Formen immer wieder dann erscheinen, wenn - in­folge von Klimaveränderungen - Tierbestände von einer ziemlich niedrigen Individuen­zahl wieder die Möglichkeit haben, sich aus kleinen Refugien ausbreitend grössere Landschaften zu besetzen. Ausbreitungen dieser Art sind immer eng verknüpft mit einer raschen Zersplitterung schon vorhandenen Taxonen, d.h. mit der Herausbildung neue­rer Taxonen. Ebenfalls gedankenerregend ist die Ansicht des Verfassers, dass die von ihm aufges­tellten 40 Ausbreitungszentren der neotropischen Landwirbelfauna (von der mittelame­rikanischen Regenwaldzone bis zum Feuerland) keinesfalls auch die Entwicklungszent­ren der in Frage stehenden ursprünglichen Taxonen seien. Das Entwicklungszentrum liegt sehr oft weit entfernt von diesen Ausbreitungszentren. Die Herausbildung der Aus­breitungszentren steht im kausalen Zusammenhang mit den Klima- und Vegetationsver­änderungen des betreffenden Gebietes. Die Umwandlungen der Tier- und Pflanzenwelt werden also 'vom Verfasser als Ereignis-Serie einer höheren Organisationsstufe Ibe­trachtet. Und auf dieser Weise konnte er nachweisen, dass die offenen Grassteppen Süd­amerikas auch schon vor dem Eintreffen des Menschen die für sie charakteristische Ve­getation besassen - und keine geschlossene Wälder waren, die erst vom Menschen aus­gerottet worden sind (wie dies früher angenommen wurde). Und dies konnte dadurch be­wiesen werden, dass sämtliche Landwirbeltiere dieses Gebietes an die Lebensverhält ­nisse eines trockenen Biotopes adaptiert waren - schon vor dem Eintreffen des Men­chen. Auch einige andere Konzeptionen über die neotropische Faune, die noch in der nahen Vergangenheit als gültig galten, konnten vom Verfasser korrigiert werden. Nun ein Bei­spiel. Es wurde immer wieder angenommen, dass die Arten der Familie Bufonidae ­wenigstens im geologischen bzw. paläontologischen Sinne - verhältnismässigjunge Ein­wanderer aus dem Norden (Nearktis) her sind. Die Herausbildungneuerer Taxonen" (vor allem jene von höheren) sollte bei ihnen deshalb von den Klima Veränderungen, Land­schaftsumwandlungen des Neotropischen Gebietes schon nicht mehr beeinflusst werden. Zum Teil auf Grund eigener Untersuchungen, zum Teil auf Grund von Literaturangaben gelang es ihm nachzuweisen, dass in den miozänen Ablagerungen Columbiens aufgefun­denen Krötenreste fast vollkommen identisch mit der rezenten Art Bufo marinus sind. Ein Beweis dafür, dass Bufo­Arten Südamerika schon im Miozän bewohnten. Weiterhin weis Verfasser noch darauf hin, dass es eine ganze Reihe von Anuren-Arten gibt, die als charakteristische Faunenelemente des Neotropischen Gebietes gelten und von den meisten Autoren für selbständige Gattungen bzw. Arten gehalten wurden, wie z. B. Dendrohryniscus brevipollicatus , genau dasselbe Bidder-sche Organ besitzen wie sämt­liche Bufo-Arten. Dies kann nur damit geklärt werden, dass diese Bufo­Abkömmlinge schon hier im Neotropischen Gebiet sich entwickelt hatten. Die Unterart-Entstehung von Bufo spinulosus analysierend konnte Verfasser zeigen, dass dieser Vorgang eng verknüpft mit der Gliederung der Nothophagus-Region ist. Für diese Krötenart ist die Nothophagus-Region gleichzeitig auch das Ausbreitungszentrum. Jene Bufo-Arten dagegen, die sich schon in früheren geologischen Epochen in Südame­rika entwickelt hatten, haben eine Zersplitterung in den 40 Entwicklungszentren erfuh­ren. Diese Beispiele genügen um anschaulicher zu machen, auf welcher Weise das Buch

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