Gábor Eszter: Die Andrássy Straße - Unser Budapest (Budapest, 2002)

Bellevue dann als Vergnügungslokal mit Musik. Adolf Ágai nach „saugen dort ältere Säuglinge das flüssige Brot des Gerstensaftes", d. h. sie trinken Bier. Dem einstigen Titelverzeichnis nach: Villa Bellevue, Attpilsener Bierhalle. mit Win­­tergartensaal und Garten. Gyula Krúdy, der in Pest nur die letzten Tage des Bellevue erlebte, spricht über die Glanzzeit des Lokals, indem er folgende Worte in den Mund von Frigyes Podmaniczky legt: .hier stand das Bellvü Gasthaus — sozusagen an der Beke der Andrássy út zum Stadtwäldchen hin. — Im Garten, hier saßen wir unter Lampions, der Zigeuner spielte die Geige und das Volk (worunter er die Armen verstand) guckte durch die Bisengitter herein. Bs war ein sehr moderner Ort. die Damen lüfteten hier ihre neusten Sommerkleider und stellten ihre Hüte vor. — Jede Minute blieb eine Bquipage stehen, aus welcher die ausgewähl­testen Herrschaften ausstiegen, die man zu Jener Zeit .koschere Leute' nannte. Hier saß Leó Länczy mit seinem Kaiserbart, und er kam auch dann noch hierher zu Fuß, als er das erste elektrische Automobil in der Stadt besaß. Hierher spazierten die Haggenmachers aus ihrem Palast an der Andrássy út heraus, wenn nicht gerade ein Familienfest im Hause statt­fand ... Hierher kamen die bekannten Börsianer, bevor sie nach Karlsbad. Marienbad oder Bad Ischl verreisten. Wer Jedoch hier am Schwabenberg oder auf der Margareteninsel Urlaub machte, kam auch im Sommer ins Bellvü, genau so wie ins Hangli am Donauufer, denn es gibt keinen bedeu-■ Bellevue — 1872—1904 (Andrássy út 129) 60

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