Gábor Eszter: Die Andrássy Straße - Unser Budapest (Budapest, 2002)

■ Andrässy út 122 — gegenwärtiger Zustand Die nächste Quergasse heißt heute nach dem Maler József Rippl-Rónai und hieß früher Bulyovszky utca. Sie war nach der berühmten Schauspielerin Lilia Bulyovszky (1833—1909) benannt worden, der die Villa an der Ecke (Andrässy üt 124) gehörte. (Die Villa war vorne einstöckig, hinten zweistöckig und war 1885 von Sándor Fellner entworfen worden.) Das Haus war geschmückt mit Giebeln, Türmen und zahlreichen Statuen — konnte also kaum als bescheiden bezeich­net werden. Die Bauplastik ging leider im Laufe der Zeit zum Teil zugrunde. So verschwand vom Giebel der Hauptfassade die als bauende Sappho verkleidete Statue, aus der Ecknische die an einer Muschel lauschende Frauengestalt (Echo), die angeblich auf die Gerüchte, welche über die Schauspielerin kur­sierten, hingewiesen haben soll. Geblieben sind — leider sehr beschädigt — die Dramatiker- und Schauspielerporträts an den Fassaden. Sogar die Zeitgenossen fanden das Haus übertrieben. Adolf Ágai meinte: „Die Villa einer berühmten Schauspielerin hat sich neuerdings neben die alten gereiht. Eine jugendli­che Konzeption: ein großer Knopf auf einem kleinen Mantel. Das ist Jetzt Mode." Die Meinung des Architekturkritikers und Fachmanns Gusztáv Nendt­­vich war auch nicht schonender: „Wie freute ich mich, als Lechner und Pártos das Mietshaus des Pensionsinstitutes der Ungarischen Staatlichen Eisenbah­nen gegenüber der Oper bauten: sieh da — dachte ich mir — das gepflanzte Samenkorn, welches sprießen wird und unsere Hauptstadt mit schöner und schöneren Schöpfungen bereichern wird. Es ist hervorgeschossen! Doch — oh weh! In Form der Bulyovszky-Villa. die ich gar nicht kritisieren brauche. 53

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