Gábor Eszter: Die Andrássy Straße - Unser Budapest (Budapest, 2002)
des Saxlehner-Grundstückes am Anfang der Straße — dafür durfte er es auch nur zum Teil bebauen.) Im zweistöckigen Gebäude befand sich in jedem Geschoß je eine Achtzimmerwohnung, in einer für Ungarn ungewohnten, in strenger Ordnung komponierten inneren Aufteilung. An der Front zum Garten hin wurde 1912 zu jedem Geschoß ergänzend noch je ein Zimmer angebaut, wodurch die ursprüngliche, strenge geometrische Ordnung aufgelöst wurde. Besitzer und Planer war damals schon Rezső Ray jun. Die Ray-Villa verkündete von weitem — und zeigt das wohl auch heute noch —, daß ihr Entwerfer in einem Land mit anderer architektonischer Kultur aufgewachsen war. Der mit Quadersteinen verkleidete Sockel und die zwischen den Kanten plazierte terrakottafarbene gitterartige Plattenverkleidung, die kunstvolle Zimmermannsarbeit des Dachgesimses und des mittleren Giebels, das minuziös ausgearbeitete Eisengitter der Mittelerker und der Fensterbrüstungen — all dies war in Ungarn nicht üblich. (Finden wir trotzdem noch ähnliches in Pest, so stellt sich stets heraus, daß die Entwürfe aus dem Büro von Rezső Ray sen. stammen. Die Villen Andrássy út 107 und 117 hatte auch er entworfen; beide wurden leider während des Zweiten Weltkriegs zerstört.) Das Haus funktioniert nun seit Jahrzehnten als Bürohaus, ein Dachgeschoß wurde daraufgebaut, die zweiarmige, gebogene, ■ Hay-Villa (Andráóóy út 105) 49