Gábor Eszter: Die Andrássy Straße - Unser Budapest (Budapest, 2002)
enere, schönere Gebäude unter den beiden. Auf der ungeraden Seite (Andrássy út 83— 85) ist das die französischen Renaissance-Schlösser zitierende Haus von Kauser düsterer und gewichtiger. Seine durch Portale verbundenen Innenhöfe sind jedoch überwältigend, phantastisch. (Schade daß diese der heutigen allgemeinen Sicherheitsverhältnisse wegen vor dem breiten Publikum verschlossen bleiben.) In dem kritisierten, einst Andrässy-Hof genannten Haus (Andrássy út 87 —89), wohnte in der großen Eckwohnung im Erdgeschoß Zoltán Kodály. Indem er seine Budaer Villenwohnung aufgab, zog er hierher, um dann von hier den größten Teil des Jahres in das für ihn stets bereitgehaltene Appartement im Galyatetder Grandhotel (später Hotel der Gewerkschaften) zu fliehen. In der Wohnung befindet sich heute ein Gedenkmuseum. In der einen abgetrennten Wohnung des ersten Stocks lebte Jenő Barcsay; sein zweites Zuhause war Szentendre. Die Wirkung der besonderen Häuser des Platzes wird durch die mehr als hundert Jahre alten Platanen und Kastanienbäume des Körönd noch hervorgehoben; bis diese nicht auch — wie die übrigen alten Bäume der Straße — irgendeiner Modernisierung, Organisation vielleicht sogar einer Veranstaltung zum Opfer fallen. Zur Geschichte des Körönd gehören auch die Statuen. Ursprünglich zierten Brunnen die Rondeauviertel. Franz Joseph hatte 1897 der Hauptstadt zehn Statuen geschenkt; vier davon gelangten auf das Körönd: István Bocskay (Barna bás Holló), Gábor Bethlen (György Vastag jun.), Miklós Zrínyi (József Róna) und János Pálffy (Károly Senyei). 1958 wurde anstelle der Statuen der Habsburgherrscher, die man vom Millenniumdenkmal im Stadtwäldchen beseitigt hatte, die beiden Siebenbürger Fürsten als nationale Herrscher in die „königliche Galerie” überführt; der kaiserliche Heerführer Pálffy wurde als Landesverräter beseitigt. Miklós Zrínyi blieb als einziger auf seinem Platz am Körönd und bekam nun als Gefährten Bálint Balassi, György Szondi und Bottyán Vak (die Statuen waren Arbeiten von Pál Pátzay, László Marton und Gyula Kis-Kovács). Vom Körönd bis zum Stadtwäldchen — die Villenreihe War es bisher nicht augenfällig, so ist hier unbedingt schon die Wahrnehmung Lajos Hevesis gültig: „Weil diese Straße so und soviel Jahre steuerfrei lót. entbindet das óié auch jeder Verpflichtung gegenüber den Gesetzen der Bildlehre? Während bei anderen geradlienigen Avenuen die beiden Häuserreihen in einem sichtlich spitzen Winkel auf einander zulaufen. erfahren wir hier das Gegenteil. Der Weg wird zum Stadtwäldchen hin eher breiter: die Gesetze der Perspektive, wenn auch ausländischer Herkunft und von 41