Gábor Eszter: Die Andrássy Straße - Unser Budapest (Budapest, 2002)
flügel auf der Seite zur Rózsa utca hin dazugehörte und sich der breite, auch als Wageneinfahrt geeignete Eingang am Treffpunkt zwischen den beiden Gebäuden befand. Im Nebenflügel war der Wagenschuppen, darüber die Wohnungen des Personals, im Hof befand sich anschließend — parallel zur Andrássy út — der für die Plazierung von sechs Pferden geeignete Stall. Die Anordnung des Wohnflügels wich von den bisher bekannten ab, es war kein einheitlicher Palast, bestand jedoch auch nicht aus nach Geschossen streng separierten Wohnungen. Es gab keine prunkvolle Treppenhalle, die Stockwerke waren durch zweiarmige Treppen verbunden, die in äußeren Stiegenhäusern plaziert waren, zwischen den Stockwerken schuf eine Wendeltreppe die innere Verbindung. Es gab vier Küchen im Haus, drei im Keller, eine im Mezzanin. Badezimmer gab es nur eins im Erdgeschoß und eins im ersten Stock. Die Zimmer im Erdgeschoß waren viel größer als diejenigen im Stock. Daraus können wir schließen, daß es im Gebäude keine selbständigen Wohnungen — auch für Fremde — gab, sondern bloß selbständige Appartements für Familienangehörige. Der neue Besitzer des Palastes, Baron Frigyes Kochmeister (1816—1907) ließ 1902 das Haus von Rezső Ray jun. umbauen. Als Ergebnis des Umbaus entstand in jedem Geschoß je eine selbständige Fünfzimmerwohnung. 1940 wandelte die Gräfin Nándor Arcz das Haus in eine Pension um und bereitete es sozusagen für seine Funktion nach dem Krieg vor: es wurde ein besonderes Altenheim. In den 1960er Jahren wurde anstelle des früheren Wirtschaftsflügels ein neuer, dreistöckiger Wohnungsflügel gebaut. Hier befindet sich nun der Eingang in den einstigen Palast, wo heute das Vilmos-Väzsonyi-Altersheim der Hauptstädtischen Selbstverwaltung funktioniert. Am Ende des zweiten Abschnitts der Andrássy út gelangen wir auf den zweiten Platz, das Rondeau, ungarisch Körönd (Kodály körönd). „Ich kann nicht stehenbleiben, ohne über das Rondeau an der Andrássy út zu sprechen. dessen erstes Gebäude — ebenfalls das Mietshaus des Pensionsinstitutes der Ungarischen Staatlichen Eisenbahnen, der untadelige Geschmack von Gusztáv Petschacher schul), und die Meisterhand von Lajos Rauscher schmückte. Ziemlich wohlgefällig reiht sich daneben das zweite, dem Pensionsinstitut gegenüberliegende Haus ein. welches József Kauser gebaut hat. Doch danach betrachten wir lieber nicht den Andrdssy-Hof und den Hübner-Hof und ihre Architektur, mit ihren schiefen und plumpen Türmen, denn wir könnten noch glauben, daß diese bloß zur Hervorhebung der Wirkung ersterer, als Gegensatz hin gebaut wurden. Unwillkürlich überkommt einen der Wunsch, diese von hier wegzutragen, daß sie nicht weiter die Wirkung des sonst glücklich konzipierten Platzes verderben." — Wieder eine zeitgenössische Kritik, die bis heute gültig ist. Gusztáv Nendtvich hatte sie 1891 in der bedeutendsten Fachzeitschrift seiner Zeit, in Építő Ipar (Baugewerbe) geschrieben. Mit einigen Bemerkungen müssen wir diese jedoch 39