Buza Péter - Gadányi György: Kopf Hoch! - Unser Budapest (Budapest, 1998)
XIV, Zichy Géza ütca 6 Die Erfahrungen der Architekturgeschichte der Hauptstadt zeigen, daß in den dicht bebauten Innenbezirken der Stadt die Erker und Türme, welche die Eckhäuser und in den meisten der hier erwähnten Fällen große Mietshäuser - Mietspaläste - schmückten, in den 1910er Jahren aus der Mode kamen. Die Aufmerksamkeit richtete sich, hauptsächlich unter dem Einfluß aus Westeuropa, auf einfachere, funktionelle Lösungen. Was aber die architektonische Gestaltung der Sommerhausviertel - und später der mit Einfamilienhäusern bebauten Stadtviertel betrifft -, so blieben die Türme und Kuppeln, die den Geschmack ihrer Erbauer veranschaulichen, eigentlich bis zum heutigen Tag erhalten. Es entwickelten sich in den vergangenen, nun schon fast mehr als hundert Jahren, entsprechende allgemeine Grundtypen. Zu den einfachsten und verbreitetsten gehören die Villen, die an Kirchentürme erinnernde Lösungen zeigen. Ein schönes Beispiel dafür ist die Sommervilla im Stephansgrund (Istvánmező), die auch wegen ihrer interessanten Geschichte unsere besondere Aufmerksamkeit verdient. Elek Lippich, ein bekannter, früh verstorbener Dichter, Kunstgeschichtsschreiber, Ministerialbeamter in der staatlichen Kunstpolitik ließ die Villa ein-zwei Jahre nach den Millenniumsfeierlichkeiten bauen. Die Pläne stammten von László Gyalus, der dafür bekannt war, daß er alte, vornehmlich romanische Bauten restaurierte und wiederaufbaute. Hierher erträumte er sich ein das Mittelalter in allen Details heraufbeschwörendes Gebäude und verwirklichte es am Rand des Wäldchens. Die Romantik der Geschichte wird noch dadurch gesteigert, daß in den 1910er Jahren (schon 1912 und dann bestimmt 1916) in diesem Haus - als neuer Eigentümer der Villa - Graf Géza Zichy wohnte, der einarmige Klaviervirtuose, der mit einer Hand spielte und auf seinen Konzerttourneen die Welt eroberte. 40