Buza Péter - Gadányi György: Kopf Hoch! - Unser Budapest (Budapest, 1998)
Zu Friedenszeiten galt ein Mietshaus in der Hauptstadt zu bauen als ein so gutes Geschäft, daß sogar die eher als vorsichtig und sparsam bekannten Habsburger sich dazu entschlossen, in Budapest Hauseigentümer zu werden (das heißt: die Familienmitglieder beurteilten den Besitz von Mietshäusern in Budapest als gute Vermögensanlage.) Die vielen Häuser des alten, mittelalterlichen Stadtkerns von Pest wurden kurz vor der Jahrhundertwende im Zusammenhang mit dem Bau des Pester Brückenkopfes der Elisabethbrücke abgetragen, und damit wurde auch die Struktur der hiesigen Straßen und Plätze verändert. Als neue Akzente des Stadtbildes entstanden zu beiden Seiten des auf die Brücke führenden Straßenabschnittes große Häuser, die sogenannten Klotild-Paläste. (Die schon seit langem nicht offizielle Bezeichnung lebt auch heute noch, und viele glauben sogar zu wissen, daß nur der linke der Klotild-Palast, der rechtsseitige jedoch der Matild-Palast sei...) Die beiden Paläste Ihrer kaiserlichen und königlichen Hoheit, der Erzherzogin Klothilde, die mit ihrer reichen Bauornamentik und ihren Türmen dekorativ den Brückenkopf einrahmen, wurden 1901 nach den Plänen des Architektenduos Kálmán Giergl—Flóris Korb gebaut. Ein Jahr später wurde, ebenfalls unter Mitwirkung des erwähnten Architektenpaares, das Mietshaus des Königs (Franz Joseph) errichtet. Das Gebäude steht ebenfalls in dieser Gegend, genauer am Ferenciek tere. Die Dachaufbauten des königlichen Mietspalastes sind nicht weniger elegant, aus der Formenwelt der reich verzierten Steintürme wird - wie auch aus denjenigen, welche die Klotild- Paläste schmücken - ersichtlich, wie der sich ausbreitende Jugendstil auf den Geschmack der Architekten des Historizismus eingewirkt hat. 36