Gábor Eszter: Budapester Villen - Unser Budapest (Budapest, 1997)

fassenden Gebäudes waren glatt verputzt, als Verzierung dienten der mancherorts verwendete Bruchstein und die Hohlziegel-Bedachung. Mit dem Zweiten Weltkrieg endete der Budapester Vil­lenbau für Jahrzehnte. In den sechziger Jahren begannen zwar in Buda anspruchsvoller geplante Einfamilienhäuser zu entstehen, die Erbauer wollten jedoch nicht einmal den Anschein eines Villenbaus erwecken. Der seit Mitte der acht­ziger Jahre wieder begonnene Villenbau gehört schon zu einem anderen Kapitel. Was können wir von den mehr oder weniger hier be­schriebenen Gebäuden heute noch in Budapest sehen? Leider kaum etwas. Unter den jeder Änderung ausgelie­ferten Wohngebäuden hat die Villa sich leider als der ver­letzlichste Haustyp erwiesen. Der zu den Villen gehörende Garten, das freie Gebiet hat stets die Besitzer und die Archi­tekten zum Anbauen verführt, was vom nützlichen Stand­punkt aus sehr vorteilhaft sein konnte, die ästhetische Ein­heit des Gebäudes jedoch stets zerstörte. Die Verschlech­terung der materiellen Situation brachte gesetzmäßig eine innere Aufteilung der größeren Villen mit sich, also eine Veränderung der inneren Raumverbindungen - was in den meisten Fällen zu einem Verschwinden der ursprünglich sorgfältig ausgewogenen Raumensembles führte; diese wurden durch Notlösungen ersetzt. Das ständige Steigen der Grundstückwerte führte zu einer Aufteilung der größe­ren Villengrundstücke, zu einer unvorteilhaften Verände­rung der ursprünglichen Umgebung. Und dazu kam dann noch der Krieg! Die Villen wurden auch beschädigt und selten in ihrer ursprünglichen Form wieder hergestellt. Die Verstaatlichung ging meist mit einer Funktionsänderung, mit einer Umformung des Äußeren und Inneren der Ge­bäude einher. Bis die Zeit des Denkmalschutzes gekommen war, gab es kaum noch etwas zu schützen. 62

Next

/
Thumbnails
Contents