Gábor Eszter: Budapester Villen - Unser Budapest (Budapest, 1997)

- sie hatte sich die vollkommene offizielle Anerkennung er­rungen. Der im Herbst 1930 in Budapest stattfindene interna­tionale Architektenkongreß hatte den Anstoß zur Veran­staltung einer der Werkbund-Wohnsiedlung ähnlichen Ar­chitekturausstellung gegeben. Die Anfang 1930 im Verein der Ungarischen Ingenieure und Architekten aufgeworfene Idee war, mit dem Zeitpunkt des Kongresses verglichen, etwas verspätet, vor allem, da die im inneren Sektor der Stadt zu bauende Einfamilienhaus-Siedlung mit kleinen Wohnungen auf ernste administrative Hindernisse stieJ3. Die Bauunternehmerfirma Fejér und Dános, welche mit der Ausführung betraut war, hatte ein Baugrundstück von dreitausend Quadratklaftern am Ende der Pasaréti út ent­lang des Teufelsgrabens (Ördögárok) für diese Siedlung ausgewählt. Schon beim ersten amtlichen Schritt stiej3 die Verwirklichung auf ein Hindernis, da für den zum III. Bau­sektor gehörenden Bezirk minimum dreihundert Quadrat­klafter messende Baugrundstücke erlaubt waren, die be­sagten einzelnen Häuser jedoch auf hundert Quadratklaf­ter große Grundstücke geplant waren. (Mit der Siedlung wollten die Erbauer eben beweisen, da_ß man auch auf so kleine Baugrundstücke komplette, kultivierte, allen Ansprü­chen entsprechende Einfamilienhäuser bauen konnte.) Der Hauptstädtische Kommunalrat bewilligte Anfang Juli 1930 „zwecks Begünstigung und Unterstützung des Baus der Einfamilienhäuser“ die Parzellierung von hundert Quadrat­klafter großen Grundstücken. Eine Bedingung war jedoch, daß nur maximum 25% des Grundstückes mit einem Ein­familienhaus (mit einer Zwei- bis Vierzimmerwohnung) be­baut werden durften; Nebengebäude durften keine errich­tet werden, das Haus mußte 3 Meter vom Rand des Grund­stückes entfernt stehen, die freie Fläche mußte als Garten bearbeitet werden, ein einheitlicher durchbrochener Zaun war überall verpflichtend, mit einem Postament von maxi­mum 80 Zentimetern. Durch diese Bedingungen wollte die Bauaufsichtsbehörde den Charakter einer Villensiedlung aufrechterhalten und eine üneinheitlichkeit der Gesamtan­sicht des Gebietes vermeiden. Die an der Planung der Siedlung teilnehmenden Archi­tekten gehörten nicht zur gleichen Stilrichtung. Alfréd Ha­jos - der erste ungarische Olympiasieger - und László Vágó waren schon vor dem Krieg Architekten mit Namen gewesen, Gyula Wälder hatte der neobarocken Architektur der zwanziger Jahre ihren Namen gegeben (davon hatten wir schon früher berichtet), Lajos Kozma hingegen galt als Vertreter der ungarischen Variante des Art Deco, einer in­42

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