Zádor Anna: Das klassizistische Pest - Unser Budapest (Budapest, 1993)

Debrecen, Balassagyarmat) und bedeutende Dome (Esztergom, Eger, Szatmárnémeti) in dieser Epoche errichtet wurden - von den vielen neuen Schlössern und Herrensitzen ganz zu schweigen müssen wir einsehen, daß die Anklage nicht völlig begründet ist. Das hauptsächlich aus dem mittleren Adel bestehende Beamtentum - das damals der bedeutendste Teil der Intelligenz war - lebte gern zurückgezogen auf seinen Landgütern. Darum hieben früher diese Jahrzehnte die Epoche der Tafelrichter, oder - viel pejorativer - die Epoche der Untätigkeit. Das bisher Gesagte kann wohl veranschaulichen, daß es sich um keine Untätigkeit handelte, doch die Schicht, die eine ökonomische Grundlage der Entwicklung schaffen konnte, formte sich nur allmählich heraus. Auch die fast hundert Jahre alte Pester Bürgerliche Handelskorporation beschloß in dieser Epoche, sich ein würdiges Zentrum zu bauen. Das Gebäude - unter seinem späteren aber allgemein bekannteren Namen: Lloyd-Palast - wurde nach vieljährigen Vorbereitungen ab 1827, unter Leitung von József Hild errichtet. Das Gebäude an der Südseite des heutigen Roosevelt tér - des damaligen Ausladungsmarkts -, der mit seinem starken Mittelrisalit und der arkadengeschmückten Pas­sage am Untergeschoß eines der schönsten Bauwerke der Epoche war, wurde bis 1830 fast beendet. Im Ge­bäude fanden das Nationalkasino, ein Kaffeehaus und die Börse Platz, und im Festsaal - wie in dem des Nationalmuseums - wurden zahlreiche bedeutende Veranstaltungen veranstaltet. Von 1851 an war es im Besitz der Pester Lloyd Gesellschaft, daher sein Name. Das besonders schöne Gebäude wurde leider bei der Belagerung von Budapest schwer beschädigt, und 1948 - ziemlich voreilig, oder vielleicht wegen den unverhältnismäßig hohen Kosten der Restauration - niedergerissen. PALÄSTE UND WOHNHÄUSER Die Ostseite des Ausladungsmarkts wurde von einer Reihe palastartiger, im allgemeinen zweistöckiger Häu­ser abgeschlossen. Unserer Meinung nach war dieser Platz damals in der Stadt einer der schönsten, ln der heutigen József Attila utca plante Mihály Pollack schon 1812 ein großes Mietshaus, das Mayerffy-Haus, das ein riesiges Grundstück bebaut hätte. Vielleicht an diesem Grundstück errichtete József Hild 1834 den Nákó­31

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