Gál Éva: Die Margareteninsel - Unser Budapest (Budapest, 2000)

Margareteninsel im Rahmen einer eigenartigen Zeitreise auch das zu zitieren versuchen, was der Inselbesucher am jeweiligen Ort im ersten bzw. im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts gesehen haben konnte. Im 20. Jahrhun­dert haben auf der Insel nämlich große Veränderungen stattgefunden: im Laufe der Jahre und Jahrzehnte hat sich viel Neues vor den Augen der Besucher aufgetan, Vieles ist jedoch verschwunden, teilweise durch natürlichen Ver­fall bedingt, teilweise jedoch infolge der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Wer zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Flügel­brücke auf die Insel spazierte, traf direkt auf ein Blumen­rondell, in welcher einheimische und exotische Pflanzen in verschiedensten Farben prangten. Hinter dem Blumen­rondell befand sich eine Empfangshalle, von welcher eine sieben Meter breite, gedeckte Promenade zum unteren Restaurant und zum Kaffeehaus führte und in einer 21 Meter langen, bedeckten Halle endete. Diese Konstruk­tionen dienten der Bequemlichkeit des Publikums: sie schützten vor eventuellem Regen. Hinter der Halle stand das noch von Ybl gebaute Restaurant, mit seinen brei­ten, bedeckten und offenen Terrassen. Die seit 1930 als Casino betriebene Institution erfuhr im Laufe der Jahr­zehnte viele ungünstigen Umänderungen. Rechts vom Gast­hof war seit Beginn der 1900er Jahre ein interessanter Bau zu sehen: das zweigeschossige Kaffeehaus im Fach­werkstil (damals Schweizer Stil genannt), welches ursprüng­lich der Jagdpavillon der Millenniumausstellung war, und durch Erzherzog Joseph auf die Insel gelangt war. Von seinen Terrassen bot sich ein herrlicher Ausblick auf die Donau und auf das Budaer sowie das Pester Ufer. Von all dem ist leider kaum noch etwas erhalten. Heute steht gegenüber dem Eingang zur Insel inmitten des Blu­menrondells ein Zentenariumsdenkmal, welches 1972 zur Hundertjahrfeier der Vereinigung der Hauptstadt aufge­stellt worden war. Dahinter befindet sich der 1962 erbau­te Springbrunnen, der auch mit farbigen Lichtern beleuch­tet werden kann und deshalb bunter Springbrunnen ge­nannt wird. Die aus Holz errichtete, gedeckte Promenade und das Café wurden in den 1920er Jahren abgetragen; das Ca­32

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