Gerle János: Paläste de Geldes - Unser Budapest (Budapest, 1994)
Der mit dem zweitem Preis ausgezeichnete Entwurf für den Börsenpalast von Ödön Lechner nierte, ähnlich der Kommerzialbank, im Lloyd-Falast. Zehn Jahre später wurde ebenda die Pester Waren- und Effekten-Börse gegründet, die 1868 mit der Getreidebörse verschmolz. Nach weiteren fünf Jahren übersiedelte die Börse in das neue Gebäude der Pester Lloyd- Gesellschaft. Dieses erwies sich alsbald als zu eng, und bei der Besichtigung des Getreides fehlte auch das nötige gute und gleichmäßige Licht. So entschloß sich die Börse einen Teil des Grundstückes, wo das abzutragende Neugebäude stand, zu erwerben. Die Abbrucharbeiten zogen sich jahrelang hin, schließlich gelang es 1898, die 2500 Quadratklafter große Parzelle für 900 Kronen pro Klafter zu kaufen. Initiator und Leiter der Investition war der damalige Vizepräsident und spätere Präsident der Börse, Zsigmond Kornfeld; zu der Jury des 1899 verkündeten Preisausschreibens für den Bau gehörten außer ihm und acht Mitgliedern des Börsenrates Kamill Fittier, der Direktor des Kunstgewerbemuseums und der Schule, der Architekt Ödön Neuschloss, der Architekt Frigyes Schulek und der Bildhauer Alajos Strobl. Außerdem waren ausländische Sachverständige wie Paul Wallot aus Dresden und Karl König aus Wien anwesend, ersterer hatte den Berliner Reichstag, zweiter die Wiener Gemüse- und Getreide-Börse entworfen. Es wurden ungewöhnlich viele Pläne (33) eingereicht. Den ersten und den einen zweiten Preis erhielten die zwei verschiedenen Pläne von Ignác Alpár, den anderen zweiten Preis der gemeinsame Entwurf Ödön Lechners und Sándor Baumgartens. Ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Beurteilung war, daß der Saal der Getreidebörse nördliches sowie Licht von der Straße erhalten solle. An Lechners Plan bemängelten die Fachleute in erster Linie die Hofbeleuchtung. Jeder der Entwürfe war - man schrieb 1899 - dem Historizismus verbunden und auffallend bombastisch. Eine Ausnahme bildeten die zwei Entwurfsvarianten Lech28