Szatmári Gizella: Das Burgviertel - Unser Budapest (Budapest, 2001)

Der König veranlaßte, daß man den rechten Fuß des Hei­ligen abschneide und zurückbringe, der Rest solle in Po­zsony bleiben. Die Reliquie wurde dann solange im Rat­haus verehrt, bis Joseph 11. die Kapelle schließen ließ (1785). Dann kam die Reliquie in die Matthiaskirche, wo sie auch heute noch in der Sankt-Stephans-Kapelle auf­bewahrt wird. über der Kapelle des alten Rathauses wurde 1718 ein Uhr- und Glockenturm gebaut und das Gebäude dann nach Plänen von Máté Nepauer zwischen 1770 und 1774 zur Úri utca hin erweitert. Unter dem hiesigen Seitenein­gang befand sich der Rathauskerker. Das 1769 gebaute Treppenhaus ist ebenfalls eine Arbeit von Nepauer. Bedeutend in der Geschichte des Gebäudes ist auch, daß im Mai 1849, nach der Rückeroberung Budas von den Österreichern, Artúr Görgey hier eine Woche lang wohnte. Bis zur Vereinigung von Buda und Pest wirkte hier die Stadtverwaltung, danach der Vorstand des I. Be­zirks. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Nach seiner Wiederherstellung funktionierte hier das Burgmuseum der mittelalterlichen Sektion des Budapester Historischen Museums, dann das Museum der Arbeiterbewegung, bzw. das Sprachwissenschaft­liche Institut der üngarischen Akademie der Wissen­schaften. Zur Zeit ist es Sitz des Collegium Budapest - Institut for Advanced Study, einem internationalen For­schungsinstitut. Vor dem Rathaus sitzt in einer Ecknische Pallas Athene, ein Werk des Luganoer Bildhauers Carlo Adami, auf den Knien ihr Schild mit dem Wappen von Buda (1785). (Die Lanze verschwindet leider von Zeit zu Zeit aus ihrer Hand...) Athene begann ihre Laufbahn zuerst als Brun­nenskulptur. Für den Brunnen vor dem Rathaus (das Wasser erhielt dieser vom Stadtbrunnen in der heutigen Béla király út im XII. Bezirk. König Matthias hatte Camicia Chimenti beauftragt, Wasserleitungen dafür zu entwer­fen) schuf Antal Hörger 1727 eine Sankt Ignatius-Statue. Nach Auflösung des Jesuitenordens wurde das Stand­bild beseitigt und der Brunnen stand nun leer da. Adami wollte diesen leeren Brunnen mit einer Skulptur der grie­chischen Göttin zieren, zum Tausch dafür, daß er das ersehnte Bürgerrecht erhalte (und als Resultat dann 38

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