Gerle János: Die Jahrhundertwerde - Unser Budapest (Budapest, 1993)

Elfte (ünd letzte) Roüte (Kispest) Eines der wohl bedeutendsten und größten, einheitlich be­bauten Wohngebiete mit Gartenstadtcharakter in Europa ist die Wekerle-Siedlung. Ihre Lage, Anordnung und die einzel­nen Häuser ließ die Hauptstadt anhand von Preisausschrei­bungen entwerfen, ebenfalls im Rahmen des großangelegten Bauprogramms von István Bárczy. Die Siedlung wurde zwi­schen 1909 und 1929 fertiggestellt, aber von wenigen Einzel­gebäuden abgesehen war der Bau eigentlich schon vor dem Ersten Weltkrieg vollendet. Die Idee, den riesigen Park durch eine mit zwei Seitenkuppeln versehene Mauer quadratisch zu umfrieden, stammt von Károly Kós. Nach seinem Entwurf entstand das eine Torwerk mit dem dazugehörenden Wohn­gebäude (Kós Károly tér 2-3), die andere Seite (Kós Károly tér 10-11) wurde von Dezső Zrumeczky entworfen. Die Archi­tekten des Eckhauses Nr. 4 sind Lajos Schoditsch und Béla Eberling. Sie entwarfen den einen Typ der Gartenwohnhäuser und das an der Ecke liegende Polizeigebäude (Ady Endre út 29). Beides wurde zwischen 1912 und 1913 fertiggebaut. An der Planung der öffentlichen und der Wohngebäude waren etwa fünfzehn Architekten beteiligt, von denen wir bislang nur einen, Aladár Árkay, kennengelernt haben. Die Siedlung versorgte sich durch Geschäfte, Schulen, Gaststätten u.s.w. selbst. Die Häuser hatten in der Regel eine, zwei, vier oder sechs Wohnungen mit je einem Küchengarten. Dieser war für die meist aus der Provinz in die Hauptstadt ziehenden Beamten von großer Bedeutung und macht heute noch, neben dem im Budapester Alltag nunmehr selten spür­baren Lokalpatriotismus, den Reiz dieser Siedlung aus. Die Wohnhaus auf dem Haüptplatz (XVIII., Kós Károly tér 10-11.) 61

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