Matits Ferenc: Protestantische Kirchen - Unser Budapest (Budapest, 2003)

den Gefallenen durch den Bau einer Gedenkkirche auszudrücken. Ihre Vor­gesetzten gedachten die Kirche und das Pfarrhaus am leeren Grundstück nahe der Üllői út und dem Rezső tér zu errichten. Im Dezember 1924 schenkte die Hauptstadt das 1058 Quadratklafter große Grundstück der Pfarrgemeinde. In den folgenden 15 Jahren erfolgten ununterbrochen — praktisch bis zur Eröffnung der Kirche - Sammlungen, um die Kosten des Baus zu finanzieren. Neben den gewohnten Sammelmethoden - in Erinnerung an die Gefallenen - versuchte man auch Speisemarken, „Gehmarken" (das Geld der Fahrscheine wurde in den Kirchenfonds eingezahlt) oder Ziegelmarken zu verkaufen. Die landesweite Kampagne hatte ebenfalls Erfolg. Die Einnahmen zahlreicher Festlichkeiten, gesellschaftlicher, kultureller und religiöser Veranstaltungen flössen auch in den Kirchenbau-Fonds. Im Laufe der Jahre waren von 565 Spendern 53 000 Pengő zusammengekommen. Nachdem die Hauptstadt sich für drei Jahre verpflichtete 120 000 Pengő dazuzusteuern, konnte ernsthaft an den Beginn der Bauarbeiten gedacht werden. Der Ausschuß für Kirchenbau fand unter den abgegebenen Bewerbungen den Entwurf im neoromanischen Stil des Architekten Kálmán Dudás am ent­sprechendsten. 1930 wurde die Baugenehmigung erteilt und am 15. April 1930 erfolgte unter Beisein des Regenten Miklós Horthy feierlich die Grundstein­legung. Als Ergebnis der zügigen Bauarbeiten kamen die Kirche und das Pfarr­haus schon im Dezember unter Dach. 1931 erhielt die Turmspitze ihren Stern, die Fassade ihren Zierbelag und die Stiegen, das Souterrain, das Pfarrhaus sowie das Wirtschaftsamt wurden fertig. 1932 gerieten — da das Geld ausge­gangen war - die Arbeiten im Kircheninneren ins Stocken. Durch Bankkredite und neue Spenden gelang es weitere Mittel zu beschaffen. In der Reformier­ten Landesausstellung des Jahres 1934 im Museum für Kunstgewerbe wurde auch die im Bau befindliche Kirche des Gedenkens vorgestellt. Am 22. Sep­tember 1935 wurde das Gebäude eröffnet. Die vom Oedenburger (Soproner) Glockengießer Frigyes Seltenhofer und Söhne gegossene vier Zentner schwere Dankei-Glocke sowie die zwei Zentner schwere Jusend-Glocke wurden zu Ostern 1937 eingesegnet. Über dem Portal der Kirche, die an einer der verkehrsreichsten Straßen der Hauptstadt steht, ist folgende Aufschrift zu lesen: zu Ehren Gottes im Gedenken an die gefallenen Helden. Über einige Stufen erreichen wir durch das prächtige Portal den Vorraum, aus welchem wir ins Kirchenschiff gelangen, durch ein Treppenhaus kommt man in den Souterrain oder zum Chor. Das 320 Quadratmeter große 11,5 Meter hohe Kircheninnere ist mit Gipsmörtel verkleidet und hat eine rundbogenförmige Tonnendecke aus Eisenbeton. Zu beiden Seiten reihen sich hohe Seitenfenster nebeneinander. An der Nord­58

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