Szegő Dóra - Szegő György: Synagogen - Unser Budapest (Budapest, 2004)
Das rechteckige, von blockartigen Elementen umgebene Bimah befand sich - der orthodoxen Tradition nach - in der Mitte des Raumes. Die Decke war eine Kassetten-Konstruktion. Das Licht strömte durch fünf große, bogenförmige, farbige Bleiglasfenster in den Raum. Den Forschungen von Ilona Brestyánszky nach war das direkte Vorbild des Kelen- földer Plans der Architekten Hamburger und Novák der 1930 von Fritz Landauer in Plauen in Deutschland errichtete Sakralbau nach Art Le Corbusiers, sowie die 1931 von Peter Behrens in Zsolna gebaute moderne Synagoge. Nur scheinbar besteht zwischen dem modernen Baustil der ungarischen Synagoge und dem orthodoxen Judentum ein Widerspruch. Den Funktionalismus zeigte die Tatsache, daß der ursprüngliche Plan auch den Bau von vier Unterrichtssälen, einer modernen Grundschule und von Wohnungen beabsichtigte, die dann schließlich doch nicht gebaut wurden. Der Oberrabbiner Dr. Imre Benoschofsky hatte nicht nur ein Programm über die Funktion der Räumlichkeiten aufgestellt, sondern auch die Motive der gemalten Glasfenster mit liturgischen Themen bestimmt. So erkannten die Gemeindemitglieder in der Syagoge eher das Paar der Heldengedenk-Synagoge und nicht das architektonische und liturgische Programmgebäude einer neuen, in Ungarn bisher noch nicht verwirklichten Synagogen-Epoche. Bis i960 blieb das Haus Synagoge. Danach richteten die nur noch wenigen verbliebenen Juden der Gegend im Familienhaus am Károli Gáspár tér 5 ein neues, bescheidenes Bethaus ein. Das Synagogengebäude gelangte in den Besitz der Volks- hohschule TIT und wurde unsachgemäß, im pseudomodernen Stil der 60er Jahre renoviert. Sein Inneres wurde, einem Büro- und Vortragssall-Ensemble entsprechend, gänzlich umgebaut. Heute deutet nur die verbliebene Menoradekoration am schmiedeeisernen Brüstungsgitter darauf hin, daß das Gebäude einst eine jüdische Synagoge war. Die farbigen Bleiglasfenster der Synagoge wurden ins Rabbinerseminar gebracht. 80