Szegő Dóra - Szegő György: Synagogen - Unser Budapest (Budapest, 2004)

Der Erste Weltkrieg vereitelte jedoch den Bau. 1929 folgte ein neues Preisaus­schreiben: auf eines der Eckgrundstücke der damaligen Váli utca plante man einen Gebäudekomplex mit Synagoge, Schule und Mietshaus zu bauen. Unter den Wett­bewerbsarbeiten hob sich das aus einem einfachen, schmucklosen Kubus geformte Steingebäude von Lajos Kozma hervor, an welchem die Öffnungen als einzige sym­bolische Andeutung die Gesetzestafeln zitierten. Die damalige allgemeine Ein­stellung zeigt jedoch die Tatsache, daß der traditionelle Entwurf von Baumhorn und Somogyi gewann. Unter den Entwurfvarianten gab es auch eine zur Ecke hin gewendete Version, welche dem Plan Lajtas für die Synagoge in der Leopoldstadt mit dem vieleckigen Grundriß und der Synagoge in der Páva utca ähnelte. Schließlich wurde die Kelenfölder Synagoge 1936 in der Bocskai út 37 gebaut und zwar nach Plänen von Ede Novák und István Hamburger. Gegenüber den sezessio- nistischen und historisierenden Bauten der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts verkörperte dieser Bau etwas ganz Neues: er wurde das klarste Beispiel des Bau­haus-Stils im Synagogenbau Ungarns. Hier wurde eine aus geometrischen Formen zusammengesetzte Raumkonstruktion verwirklicht, welchen den Prinzipien des Modernismus gemäß der Funktionalität Vorrang gewährte. Zum Haupteingang der Synagoge, welcher sich in der Nebengasse befindet, führen Stufen hinauf. Das Portal besteht aus fünf schlanken, gebogenen Öffnun­gen. Der eckige Eisenbetonblock des Portals setzt den Akzent — der Moderne ent­■ Originalgrundriß für die Synagoge in der Bocskai út (Zeichnung von Anikó Gazda) 78

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