Szegő Dóra - Szegő György: Synagogen - Unser Budapest (Budapest, 2004)
auch den mit Glasmosaik ausgelegten Triumphbogen. Innen formt der Gedanke des Motivs „Haus im Haus" den Thoraschrein, ein Motiv, das sich auch an den gestuften Giebelmauern des Äußeren wiederholt. Auf dem Giebel umgibt eine gemalte Sonnenstrahlenaura die Gesetzestafeln. Unter den Tafeln steht die Inschrift: „Seiet nicht solche Diener, die dem Herrn des Lohnes wegen dienen". Dem fortschrittlichen Geist der Kóbányaer Gemeinde entsprechend gab es auch eine Orgel László Gero und Anikó Gazda schreiben im Werk Synagogen Ungarrn Folgendes: „Unter allen Pester Synagogen widerspiegelt diese am besten jene gesellschaftliche und geistige Veränderung, welche die Gedankenwelt des Judentums umformte. Der für den Bau verwendete rustikal bearbeitete, harte Bruchstein, die Rohziegeln und der Beton, die Zaungitter, die feine, durchbrochene Ornamentik der Tore, die Rippen und Zierfüllungen der Glasfenster dienen alle dem Ausdruck der religiösen Symbole" und fügen wir hinzu-, es sind alles weit vorauszeigende neuartige Ausdrucksformen. Schöntheils Kóbányaer Synagogengebäude antizipiert die spätere alt-neue Jerusalemer israelische Architektur, wie auch mehrere Elemente des modernen Regionalismus in Ungarn. 1920 brannte der Dachstuhl der Synagoge ab, die Kóbányaer bauten ihn jedoch wieder auf. Die in den Dreißiger Jahren schon fast fünftausend Personen umfassende Gemeinde wurde durch den Holocaust sehr dezimiert. Nach dem Krieg begann das Glaubensleben hier mit den Überlebenden von neuem, hörte jedoch 1966 endgültig auf. Das Gebäude wurde nun zu verschiedenen Zwecken verwendet. 1991 wurde es von der skandinavischen Ökumenischen Christlichen Gemeinschaft der Stiftung Menschenfreund renoviert und der innere Raum wurde umgebaut. Die neuen Besitzer bewahrten grundsätzlich das einstige Aussehen des Synagogeninneren, neben den christlichen Symbolen stehen heute auch mehrere alte jüdische Motive, die erhalten geblieben sind: auf dem Giebel wurde über dem Thoraschrein über der Inschrift „Liebe den Herrn, deinen Gott" auch die hebräische Inschrift des Chors restauriert, ln den Raum baute man jedoch ein Taufbecken zum Untertauchen. Die Synagoge in der Berzeviczy utca Im Bezirk Újpest (Neupest) existierte bis zum Zweiten Weltkrieg die wohl bedeutendste jüdische Gemeinde der Umgebung Budapests. Ihre Vorfahren hatte der Grundbesitzer Graf István Károlyi in den 1830er Jahren auf seinen Weingärten angesiedelt. Károlyi sicherte ihnen freie Ausübung des Gewerbes und der Religion. Die ersten Siedler waren die Familie Löwy aus Nagysurány. Izsák Lőwy wurde der erste Dorfrichter und Vorsteher der Gemeinde, seine Brüder gründeten in Újpest eine Lederfabrik. Auf dem vom Grafen Károlyi geschenkten Grundstück in der