Boros Géza: Statuenpark - Unser Budapest (Budapest, 2002)
nen angewandten Materialien, durch das Weglassen einzelner Elemente (Inschrift, Bekränzugs-Stelle) und vor allem durch die Wandpfeiler, die anstelle der Reliefs stehen, Folgendes betont werden: nicht das Stalin-Denkmal wird hier von neuem errichtet, sondern sein Memento!'' Dieses metaphorische Bauwerk mit dem Denkmaltorso an sich verspricht von katarktischer Wirkung zu sein: „Der verwaiste Bronzestiefel auf dem Podest ist die schönste Statue der Tyrannenvernichtung'' (Miklós Haraszti, Schriftsteller). Das umgebaute Podest der Stalin-Statue diente bis Ende der achtziger Jahre als Ehrentribüne, von wo die Staats- und Parteiführer bei Paraden und Aufmärschen dem vorbeiziehenden Volk zuwinkten. Die Reliefs, welche sich ringsherum befanden und in den siebziger Jahren abgeschlagen, dann wieder neugemeißelt wurden, werden in Innenraum des einen Gebäudes zu sehen sein. (Das eine Teil der Relief-Folge ist in der Statuengalerie im 2002 eröffneten Zeithistorischen Museum, dem „Terrorhaus" in der Andrássy út 60. zu besichtigen.) Die Tribüne und der Platz werden Schauplatz kultureller Ereignisse im Freien sein. Ihre wichtigste Funktion wird jedoch sein, daß sie der Schlußpunkt einer symbolischen Raumkette sind, welche sich von der Stiefelstatue über das Portal mit den Versinschriften und die Statuenpromenaden bis hin zur Endmauer zieht. Der Statuenpark und der Zeugenplatz bilden gemeinsam den Mementopark, der in einem einheitlichen architektonischen Rahmen die Epoche des Kommunismus, den 56er Freiheitswillen und die politische Wende verkörpert. Der Statuenpark funktioniert seit seiner Eröffnung im Rahmen eines Privatunternehmens. Mit dem Bau des Zeugenplatzes wird der Statuenpark durch eine neue, qualitative Dimension bereichert: er ist nun ein zeiteschichtlicher Themenpark, der dazu geeignet ist, organisierte Schul- und Touristengruppen zu empfangen. Die Lebensfähigkeit der Anlage am Rande der Stadt wird in großem Maße davon beeinflußt werden, was für Programme und Ausstellungen neben dem Statuenpark geboten werden und wie die kulturellen mit den Fremdenverkehrs-Standpunkten in Einklang gebracht werden können. Die Hauptattraktion wird jedoch stets der Statuenpark sein — mit seiner sprechenden Stille. „Eine 9,5 Meter hohe, 11 Tonnen schwere Statue qualifiziert sich selbst, ebenso das System, welches sie hervorbrachte," äußerte sich 1994 Ákos Eleöd jun. dazu. „Schließlich wirkt der .Mementocharakter' des Parks auch in diese Richtung-, deshalb müssen wir diese Statuen, diese Atmosphäre bewahren, daß wir, wenn vielleicht in X Jahren wieder ein System kommt, welches sich sagen wir in 9.5 Meter hohen und 11 Tonnen schweren Statuen ausdrücken will, rechtzeitig sagen können: Na, na!" Seit der politischen Wende konnten wir folgende Erfahrung machen: Statuen von falscher und anachronistischer For57