Szatmári Gizella: Zeichen der Erinnerung - Unser Budapest (Budapest, 2005)
königlichen Palastes. Unter seinen Arbeiten finden wir Entwürfe, welche orientalische Bauelemente aufweisen, siebenbürgische Reminiszenzen und magyarische Dekorationsmotive, jedoch auch die Anwendung modernster Lösungen - so der Eisenbetonkonstruktion. Die Villen der „Wohnsiedlung" des Verbandes der Richter und Rechtsanwälte am Kleinen Schwabenberg (gebaut in den 1910er Jahren) werden von Kalotaszeger Ornamentik geziert und setzen auch die siebenbürgisch beeinflußte Dachgestaltung fort. Die reformierte Kirche in der Városligeti fasor (Stadtwäldchen Allee) bemühte sich erfolgreich zwei Konzepte in Einklang zu bringen: Sie ist die erste Kirche mit einer Eisenbetonkuppel in Ungarn, ihr Tor hingegen wird von farbigen Zsolnayer Keramikziegeln verziert. Die Dekorationen im Innenraum, an den Fenstern und am Boden weisen eindeutig auf ungarische Volkskunstmotive hin: An den Leuchtern z. B. erscheinen Motive ungarischen Pferdegeschirrs (!). Der Innenraum des 1925 gebauten Rákóczi Gymnasiums läßt die Farben Rákóczis (Rot, Blau, Gold) aufleuchten. Auf ausdrücklichen Wunsch der Bauherrn mußte er hier historisierende Stimmungselemente verwenden. Der an romanische Portale erinnernde Eingang wird von einer Tulpenmotiv-Reihe umgeben. Nach seinen Entwürfen wurde die mit Volksmotiven geschmückte Kirche in Kőbánya (1927) gebaut, ebenso das Rákosszentmihályer Kulturhaus, sowie die bulgarische orthodoxe Kirche in der Vágóhíd utca im IX. Bezirk. Seinen größten Erfolg hatte er mit der Kirche im Györer Fabriksviertel. 1930 zeichnete die Kisfaludy Gesellschaft sie mit dem Greguss-Preis aus. Die Entwürfe für die Glasfenster (Arbeiten von Lili Sztehló) hatten schon vorher, im Jahre 1928 auf der Monzaer Weltausstellung den Grand Prix gewonnen. Die mit Basaltstein verkleidete Fassade des Baus mit der daran anschließenden Arkadenreihe erinnert an die mittelalterlichen Kirchen Italiens, die Innenkonstruktion hingegen wird von Eisenbetonbögen gegliedert. Virgil Bierbauer zufolge hat Árkay „auf dem Gebiet des Kirchenbaus als erster mit der heimischen Gewohnheit der Nachahmung gebrochen". Von außerordentlicher Bedeutung waren die Regulierungspläne, die er 1917 für das Budapester Rathaus und das Stadtzentrum anfertigte. Der preisgekrönte Wettbewerbsentwurf für den Beginn der Madäch-Radialstraße (1930) hätte die Innenstadt in Richtung Ost-West „geöffnet" - aber auch der „Eingang" wurde nur teilweise, nach dem Tode Árkays (1932) verwirklicht. 75