Szatmári Gizella: Zeichen der Erinnerung - Unser Budapest (Budapest, 2005)

ausdrückt, mit dem Parlament gegenüber als würdigem Paar, war in den Augen der Zeitgenossen von solhcher Bedeutung, daß sie einige Jahre später hier­her eine Relief-Gedenktafel zu Ehren Hauszmanns setzten. Das Portrait des Architekten stammte von János Pásztor (1913). Dem Tagebuch Hauszmanns nach war der Anlass für die Aufstellung der Gedenktafel das Jubiläum seiner ein halbers Jahrhundert währenden Tätig­keit als Architekt und Lehrer. Und wirklich: 1864 wurde er vom Baumeister József Diescher zum Steinmetzgesellen freigesprochen und entwarf danach 80 öffentliche Institutionen und Privatpaläste, Villen, Mietshäuser, Spitäler und Schulen, alle in dem nur für ihn charakteristischen eklektischen Neo- rennaissance-Stil. Die Gedenktafel hätte genau so gut an einer ruhigen Mauer des Königli­chen Palastes in der Budaer Burg angebracht werden können, da nach dem unerwarteten Tode (1891) des mit der Palasterweiterung beauftragten Miklós Ybl, Franz Joseph Hauszmann zum Bauleiter der Burg ernannte. Er erbaute nicht nur den Flügel auf der Seite zur Christinenstadt hin (heute befindet sich hier die Széchényi Landesbibliothek), sondern erweiterte auch den Zentral­trakt in Richtung Norden. Der konstruktiv denkende Architekt hielt es für wichtig, daß die Ausstattung und Ornamentik der neuen Palastflügel, die Nutz- und Kunstgegenstände, von den besten heimischen Künstlern und Handwer­kern hergestellt wurden. Er behielt auch die Darstellung der ungarischen Ge­schichte und Sagenwelt vor Augen, sowie die breitere Anwendung magyari­scher Dekorationsmotive in den inneren Räumen. Die Idee des beliebten Matthias-Brunnens an der Außenwand der Burgkapelle stammte auch von Hauszmann. Das Werk Alajos Strobls wurde 1904 in Anwesenheit Franz Josephs enthüllt. Sein Wirken erntete viel Lob und Anerkennung. Neben seinen bedeutenden Aufträgen (das Somossy-Orpheum in der Nagymező utca, der New York Palast, der Governeurpalast in Fiume, das Zentralgebäude der Technischen Univer­sität) erhielt der im königlichen Palast entworfene sog. Sankt Stephans Raum mit seiner ganzen Einrichtung auf der Pariser Weltausstellung des Jahres 1900 den Grand Prix. Kaiser Karl IV. verlieh dem Architekten 1918 den unga­rischen Adel mit dem Adelsprädikat „von Venedig".

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