Szatmári Gizella: Zeichen der Erinnerung - Unser Budapest (Budapest, 2005)

Döbrenteis „Flurtaufe Am 19. Juni 1847 konnten am Himmelberg (Tündérhegy) jene Bürger an einer eigenartigen Zusammenkunft teilnehmen, welche es für wichtig hielten, sich über die neusten Verfügungen des Rates der freien königlichen Stadt Buda aus erster Hand zu informieren. ln seinem Büchlein Zugliget (Auwinkei) schrieb István Eperjessy: „Der Rat versah auf Grund der Aufzeichnungen von Gábor Döbrentei, dem ordentlichen Mitglied der ungarischen wissenschaftlichen Gesellschaft - der Akademie der Wissenschaften - die historisch bedeutenden Orte des Budaer Berglandes mit neuen Namen, welche die Ausflügler an die ruhmreiche Vergangenheit der Nation erinnern sollten" (1905). Die früheren deutschen Namen - z. B. Auwin- kel, Saukopf, Himmelberg - ersetzte er durch ungarische. Diese (Zugliget, Disz­nófő, Tündérhegy) und andere wurden am 19. Juni 1847 „am Rüssel des Berges", in der Jägermeierei feierlich vorgelesen, der Vorlesung folgten ein Festmahl und zahlreiche begeisterte Reden. Dieses war die Flurtaufe. Ein eifriger Patriot, ein gewisser Rechtsanwalt namens Pál Koics brachte am Brunnen des Königs Béla im Brunnenthal zu Ehren jenes Tages eine Gedenk­tafel an. An die „Flurtaufe" erinnert seit 1998 auch eine Gedenktafel an der Mauer der Grundschule, welche am Ort der einstigen Jägermeierei steht (XII., Zugligeti üt 113). Mit seinen neuen Namen für die Budaer Berge, Fluren und Brunnen wies Döbrentei auf wirkliche geschichtliche Ereignisse hin; einige bildete er auf Grund mündlicher Überlieferung, andere nach eigenen Ideen. Nicht selten schuf er — durch etwas romantische Magyarisierung - ganz neue Wörter. Damals erhielt der Schwabenberg seinen Namen, nach den während der Belagerung des sich in türkischer Hand befindenen Buda hier lagernden schwäbischen Regimentern. Die Petneházy-Wiese wurde nach dem helden­haften kaiserlichen Obristen benannt, der an der Nordwand der Burg als erster mit den rettenden Truppen durchbrach und damaligen Quellen nach wie ein „Löwe" kämpfte. Auf geschichtliche Ereignisse deuten auch die Flurnamen Kurutzenwinkel (Kurucles) und Türkennot (Törökvész), das Andenken der Hunyadi-Familie be­wahren auch mehrere neugetaufte Landschaftabschnitte bis in unsere Zeit. So z. B. der Matthiasberg (Mátyáshegy), der Hunyadi-Gipfel (Hunyad orom) oder 42

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